Erwin Knauß im Alter von 91 Jahren gestorben

Gießen/Hannover (AZ). Gießens früherer Stadtarchivar, Vorsitzender des Oberhessischen Geschichtsvereins und Träger der Hedwig-Burgheim-Medaille, Prof. Erwin Knauß, ist tot.

Der vielfältig interessierte und engagierte Gießener starb am Wochenende im Alter von 91 Jahren in Hannover, wo er zuletzt bei seiner Familie gelebt hatte.

Für die einen war Erwin Knauß Lehrer für Sport und Geschichte an Volks- und Realschulen in Gießen, ab 1971/72 als Professor für Sozial- und Kulturwissenschaft an der Fachhochschule Gießen-Friedberg (bis 1984). Für andere war er der engagierte Sportler, der den FH-Hochschulsport beförderte und viele Menschen zum aktiven Vereinssport brachte; der Hand- und Fußballer war seit über 80 Jahren Mitglied beim MTV 1846 Gießen. Knauß war zudem in der Evangelischen Kirche engagiert und kümmerte sich um lebenslänglich Inhaftierte der Strafanstalt Dietz. Andere erinnern ihn als Stadtarchivar, sein nebenberufliches Engagement, und als Vorsitzenden des Oberhessischen Geschichtsvereins Gießen (1977-1991). In dieser Funktion war er auch Herausgeber der jährlich erscheinenden »Mitteilungen« des OHG. Zahlreiche Publikationen zur Lokal- und Regionalgeschichte hatte Knauß seit 1958 verfasst. Im Gedächtnis werden vor allem die ersten Aufarbeitungen zur Geschichte der jüdischen Bevölkerung in Gießen (1974, 4. Auflage 1987) und Wieseck (1975) bleiben. Berufungen in vier Historische Kommissionen erfolgten ab den 1960er Jahren.

Neben dem engagierten Eintreten für die freiheitliche Demokratie war ein zentrales Moment seines gesellschaftspolitischen Engagements die Aussöhnung zwischen Juden und Christen, zwischen Deutschen und Israelis. 2004 wurde ihm dafür von der Stadt Gießen die Hedwig-Burgheim-Medaille verliehen. Die Gründung der Städtepartnerschaft Gießen-Netanya 1978 und des Partnerschaftsvereins 1996 wurden von Knauß wesentlich mitbetrieben.

Auch wenn er alle leitenden Ämter schon lange abgegeben hatte, nahm er doch regen Anteil am Geschehen in Gießen und »seinem« Geschichtsverein, dessen Ehrenvorsitzender er war. (Foto: dkl)

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