Welcher Oberarm darf es denn sein? Start der AWO-Mitarbeiterimpfung. 	FOTO: CG
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Welcher Oberarm darf es denn sein? Start der AWO-Mitarbeiterimpfung. FOTO: CG

Corona-Impfung

Gießen: Corona-Impfung - Erster Schritt zur Normalität im AWO-Haus

  • Christine Steines
    vonChristine Steines
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Ein strammes Programm hat sich die AWO am ersten Impftag vorgenommen. 100 Mitarbeiter aus allen Bereichen des Albert-Osswald-Hauses wurden am Dienstag geimpft, zudem 50 Bewohner.

  • Am Dienstag wurden sowohl Mitarbeiter als auch Bewohner des Albert-Osswald-Hauses in Gießen geimpft.
  • Die Senioren als auch die Angestellten des Pflegeheimes freuen sich über die Corona-Schutzimpfung.
  • Heute soll erneut geimpft werden, in drei Wochen erfolgt die zweite nötige Impfdosis.

Der Pieks war nicht schlimmer als die tägliche Insulinspritze. Elfriede Becker reibt sich den Arm. »Ich merke gar nichts, wir hoffen mal, dass es so bleibt«. Die 84-Jährige musste nicht lange überlegen, ob sie sich impfen lassen soll. »Das Virus ist so schlimm, da lässt man gerne alles über sich ergehen«.

Gießen: AWO-Heim gut vorbereitet auf Impf-Tag

Großkampftag bei der Arbeiterwohlfahrt (AWO). Drei Teams des Impfzentrums Mittelhessen kamen am Vormittag in das Alten- und Pflegeheim am Tannenweg, um insgesamt 150 Dosen zu spritzen: 100 Mitarbeiter aus der Pflege, der Küche und dem Reinigungsdienst hatten sich angemeldet, zudem standen 50 Bewohner auf der Liste.

Einrichtungsleiterin Tanja Ströher und ihre Helfer haben den Tag generalstabsmäßig vorbereitet. Ein Therapieraum wurde zum Einsatzort umfunktioniert, Einbahnwege verhinderten »Begegnungsverkehr«, in der kühlen Wartezone auf der Terrasse gab es Tee und Decken. Doch allzu viel Wartezeit war dann gar nicht nötig: Jeweils zwei Mitarbeiter der Impfteams - in Schutzkleidung vermummt - erledigten die Anamnesegespräche, zwei weitere nahmen nebenan die Impfung vor. Nur eine kleine Verzögerung gab zu Beginn, weil das gekühlte Impfserum erst Zimmertemperatur erlangen musste.

AWO-Heim Gießen: 100 Mitarbeiter geimpft

Küchenchef Dirk Schaub war der erste, der den Oberarm frei machte, kurz danach folgte sein Stellvertreter Joachim Rohn. War es ihnen nicht mulmig, gleich bei den ersten zu sein? »Nein, überhaupt nicht«, sagt Rohn. »Ich bin froh, dass es endlich losgeht«. Das sehen auch die Kollegen so, die nach und nach Platz nehmen.

Auch die Senioren in den Wohnbereichen empfangen die Impfteams freudig. Die meisten der 205 Bewohner haben ihre Bereitschaft signalisiert, schildert Tanja Ströher, bei Senioren mit Demenz entscheidet der Betreuer.

AWO-Heim Gießen: Bewohner sind an die Corona-Situation gewöhnt

Die Senioren haben sich an die jetzige Situation mit Abstandhalten und Masken gewöhnt, doch sie sehnen sich zur Normalität zurück. »Wir wollen dazu beitragen, was wir können«, sagt Elfriede Becker. Auch Anna Reischel hat kein Problem mit der Impfung. »Ich bin in meinem Leben schon oft geimpft worden, dann wird es wohl auch diesmal gut gehen«, sagt die 92-Jährige.

Die Vorbereitung für diese »Impflinge« war nicht ganz einfach, schildert Tanja Ströher, weil während der Feiertage nicht alle Hausärzte im Dienst waren. Diese übernehmen im Vorfeld die Anamnesegespräche, damit beim Impftermin alles zügig geht. Geklärt wird dabei nicht nur der aktuelle Gesundheitszustand, Unverträglichkeiten und Allergien, sondern auch die Medikamentierung. Nur wenn es keinerlei Bedenken gibt, wird geimpft.

Gießen: Albert-Osswald-Haus bis jetzt ohne Corona-Ausbruch

Das Albert-Osswald-Haus ist eines der wenigen Pflegeheime der Stadt Gießen, in dem es bisher keinen Corona-Ausbruch gegeben hat. Einmal hat sich ein schwer kranker Bewohner im Krankenhaus infiziert, er wird seitdem isoliert von allen anderen versorgt. »Wir haben ein sehr rigides Hygienekonzept, das wir ständig neu anpassen, aber wir haben auch Glück gehabt«, sagt Dapper. Er ist froh, dass mit der Impfung künftig auch eine Last von den Pflegekräften fällt. Die Angst, das Virus unbeabsichtigt mit ins Haus zu bringen, sei immer präsent. »Jeder hat eine Familie und Außenkontakte, man kann das Risiko minimieren, aber nicht ausschließen«, sagt Ströher.

Die Impfung sei ebenso wie die Schnelltests kein Allheilmittel, deshalb werde man auch in den kommenden Wochen und Monaten an den eingeübten Regeln festhalten. Dapper: »Wir dürfen jetzt auf keinen Fall nachlassen«. Aber über die ersten Schritte freuen darf man sich schon: Gleich heute stehen die Impfteams erneut vor der Tür. Und in drei Wochen erfolgt die zweite Runde.

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