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Mieterverein kritisiert Stadtwerke Gießen: „Viel zu lange auf Gas gesetzt“

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Ab 1. Januar steigt der Strompreis für Kunden der Stadtwerke Gießen deutlich. Schuld daran sei auch die bisherige Strategie der SWG, sagt Stefan Kaisers vom Mieterverein.

Gießen - Der Strompreis in der Grundversorgung der SWG steigt zum kommenden 1. Januar um knapp 18,2 Cent auf knapp 46,7 Cent pro Kilowattstunde. Für einen Haushalt mit einem jährlichen Verbrauch von 2200 Kilowattstunden macht das Mehrkosten von knapp 400 Euro pro Jahr aus. Prozentual bedeutet die Erhöhung fast 53 Prozent. »Dass die SWG im Hinblick auf die Strompreisbremse den Preis jetzt auf über 40 Cent anheben, kommt nicht von ungefähr, denn sonst würde man ja Subventionen verschenken«, erklärt der Mieterverein zur aktuellen Preispolitik der Stadtwerke.

Nicht nur Privathaushalte treffe der Stromschlag, etliche Gewerbetreibende bangten um ihre Existenz. Als Hilfe verspreche die Bundesregierung nun auch für Strom eine Preisbremse. Mietervereins-Sprecher Stefan Kaisers sieht das kritisch: »Ähnlich wie bei der verunglückten Gasumlage, mit der Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck seinen Mythos als grüner Überflieger im Bundeskabinett zerstört hat, handelt die Regierung erneut frei nach dem Motto: Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?«

Stadtwerke Gießen: Hoher Gaspreis diktiert Strompreis

Dabei gäbe es eine einfache Lösung. Bei der Gasumlage war es die Verstaatlichung des systemrelevanten Zwischenhändlers Uniper. Beim Strom wäre es die längst diskutierte Reform des ins Absurde abgerutschten Marktprinzips, wonach jeder Erzeuger am Ende den Preis des teuersten Anbieterzuschlags erhält: So diktiere der hohe Gaspreis ohne Not den Strompreis aller Kraftwerke. Dieses sogenannte »Merit-Order«-Prinzip sei für kurzfristige Ausnahmesituationen zur Stabilität der Versorgung gedacht, inzwischen habe es aber den Strommarkt in einen Ausnahmezustand gebracht.

Schaue man sich den Unternehmensmix beim Strom der SWG genauer an, so zeige sich, dass nur 36,4 Prozent des gelieferten Stroms aus erneuerbaren Energien stammten. Und aus dessen Herkunftsnachweis ergebe sich, dass dazu hauptsächlich billige Zertifikate aus einem Wasserkraftwerk gekauft worden seien, das schon seit 1940 Strom in Italien produziere. »Der Effekt für die Energiewende ist also gleich null«, so Kaisers. Die lokale Stromerzeugung der Stadtwerke erfolge zum größten Teil mithilfe von KWK-Anlagen, in denen Gas als Energielieferant verwendet wird.

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Die Stadtwerke Gießen erhöhen zum 1. Januar 2023 die Preise für die Grundversorgung. Bereits zum 1. April hatte das Unternehmen den Strompreis erhöht. Symbolfoto: dpa/Sina Schuldt © Red

Stadtwerke Gießen setzten zu lange auf Gas

So räche sich die falsche Strategie der SWG. Dort habe man viel zu lange und zu intensiv auf Gas gesetzt und die erneuerbaren Energien vernachlässigt. Ein nicht vor allem auf Verbrennung in KWK-Anlagen, sondern auf erneuerbare Energien sich stützendes System wäre deutlich effizienter, da es je nach Erzeugungsart keine bzw. geringe Effizienzverluste habe, so Kaisers. (pm)

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