Die Äcker auf der Westseite der L 3054 bleiben unbebaut. Hinten das Gewerbegebiet Rechtenbacher Hohl.
+
Die Äcker auf der Westseite der L 3054 bleiben unbebaut. Hinten das Gewerbegebiet Rechtenbacher Hohl.

Stadtentwicklung

Gießen: Erleichterung in Lützellinden: Äcker bleiben erhalten

  • Burkhard Möller
    vonBurkhard Möller
    schließen

Die Regierungs-Koalition im Gießener Stadtaprlament hat die städtische Planung für einen Gewerbepark in Lützellinden endgültig aufgehoben.

Gießen – Die knapp zehn Mitglieder der Bürgerinitiative Lützellinden, die am Dienstagabend auf der Tribüne des Rathaus-Sitzungssaals alle Corona-Plätze besetzten, waren mit Skepsis gekommen und konnten die Stadtverwaltung mit einer guten Nachricht für ihre vielen Mitstreiter im Stadtteil verlassen. Die Stadtverordnetenversammlung wird in ihrer Sitzung am 17. Dezember endgültig den Deckel auf das Thema Gewerbeflächen machen. Damit bleiben fruchtbare Ackerflächen in Lützellinden erhalten.

Einstimmig stimmte der Bau- und Planungsausschuss nicht nur der Abmeldung von 135 Hektar Gewerbefläche bei der Regionalversammlung Mittelhessen zu, sondern sprach sich auch dafür aus, dass der elf Jahre alte Beschluss zur Aufstellung eines Bebauungsplans für den rund 40 Hektar großen Gewerbepark Lützellinden in der Sitzung am 17.12. aufgehoben wird. »Wir wollen erst gar keine Zweifel aufkommen lassen«, sagte Felix Döring (SPD) für die rot-schwarz-grüne Stadtkoalition, die in ihrem Antrag bis dahin nur den Regionalplan im Blick hatte, nicht jedoch die städtische Bauleitplanung. Die vom Ortsbeirat ebenfalls geforderte Anpassung des städtischen Flächennutzungsplans ist nicht nötig, da die Äcker westlich der Landesstraße 3054 dort nicht als Gewerbeflächen ausgewiesen sind.

Martin Preiß (FDP) wollte sich beim Magistrat rückversichern, ob es aus Sicht der Stadt Gießen vernünftig sei, die Flächen abzumelden ohne zu wissen, ob man damit die Tür für Gewerbeflächenausweisungen durch Nachbarkommunen wie zum Beispiel Linden öffne. »Das mag jeder für sich selbst entscheiden, ob das vernünftig ist«, antwortete ihm Bürgermeister Peter Neidel (CDU). Die Abmeldung der Lützellindener Flächen sei eine »Sache der Fraktionen«. Inwieweit die Größe der Gießener Flächen im Regionalplan durch andere Kommunen abgebildet werde, könne er nicht sagen, fügte Neidel hinzu.

Den Wirtschaftsdezernenten treibt die Sorge um, dass das Stadtparlament, die Koalition und auch seine eigene Partei mit ihrer veränderten Grundhaltung gegenüber Gewerbeflächen die Entwicklungsmöglichkeiten der Stadt einschränken. Dies wurde noch deutlicher, als der Ausschuss auf Antrag der Koalition gegen Ende der Sitzung beschloss, den Bebauungsplan fürs Industrie- und Gewerbegebiet »Teichweg/Kiesweg« zu ändern, damit auf dem Brauhaus-Gelände Wohnungen gebaut werden können. Zudem hat die CDU eine Wohnnutzung fürs Gail-Gelände ins Spiel gebracht. »Mit der Entscheidung zu Lützellinden werden unsere Gewerbeflächen noch knapper. Wir sind uns im Planungsamt bewusst, dass Arbeit und Wohnen zusammenrücken, aber an dieser Stelle kann Wohnen nur eine untergeordnete Nutzung sein«, sagte Neidel zum Thema Brauhaus. (mö)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare