Altistin Inga Saalmann bietet im Theaterfoyer am meisten Songs, darunter Gershwins "The man I love". FOTO: JOU
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Altistin Inga Saalmann bietet im Theaterfoyer am meisten Songs, darunter Gershwins "The man I love". FOTO: JOU

Erinnerung an verunglimpfte Künstler

  • vonSascha Jouini
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Gießen(jou). Operntenor und Gesangspädagoge Colenton Freeman beschäftigt sich seit über einem Jahr mit sogenannter "Entarteter Musik" im Rahmen eines Volkshochschulkurses sowie eines Workshops. Bei einer Matinee am Sonntag im Theaterfoyer mit ehemaligen Gesangsschülern von ihm standen Blues, Swing und Jazz im Mittelpunkt - Stilrichtungen, die von der Reichsmusikkammer ab 1933 verboten wurden. Wie Moderator Martin Spahr anmerkte, sollte eine Ausstellung bei den ersten Musiktagen 1938 zeigen, welche Musik zu meiden sei. Die Songs in der Matinee standen stellvertretend für jene Zeit. Suspekt waren den Nationalsozialisten vor allem "nichtarische Künstler", auch Komponisten der Neuen Musik diskriminierten sie.

Bereits 1933 verboten wurde Kurt Weills und Bertolt Brechts "Dreigroschenoper", aus der Tenor Dominik Franz eingangs mit kerniger Stimme die "Moritat von Mackie Messer" sang. Ebensolche Hingabe zeigte Altistin Inga Saalmann bei George Gershwins Song "The man I love" in ihrer einfühlsamen Interpretation.

Volkshochschulkurs und Workshop

Unerwünscht war im Nationalsozialismus besonders tanzbare Musik; zu Beginn der Feldzüge wurden Tanzverbote erlassen. Musik schwarzer Künstler wurde als "Niggerjazz" verunglimpft. Daran erinnerte Duke Ellingtons Song "Sophisticated Lady", in dem Sopranistin Barbara Yeo-Emde die ausgedehnten Melodiebögen mit langem Atem spannte. Inga Saalmann bezauberte die Besucher mit ihrem Charme in weiteren Stücken wie Maria Grevers "What a difference a day makes", einem der ersten Hits einer mexikanischen Komponistin, wie Spahr hervorhob. Ausgesprochen sanfte Züge verlieh Sopranistin Emmelie Tessema dem berühmten Lied "Over the rainbow" von Harold Arlen aus dem Filmmusical "The wizard of Oz".

Freeman begleitete die Sänger am Flügel und E-Piano durchweg souverän, so Yeo-Emde in Cole Porters "You’re the top", einem weiteren Jazzstandard. Vergnügen bereitete zudem Billie Holidays Blues "Fine and mellow", derart gefühlvoll meisterte ihn Saalmann in Begleitung des Pianisten. Das Programm reichte bis hin zu den Spirituals "Go down, Moses", "Swing low, sweet chariot" und "Little David play on your harp", die Tenor Wolfgang Weese mit seiner brillanten Stimme gestalterisch ausgefeilt gelangen. Für das hörenswerte Konzert spendeten die Besucher herzlichen Beifall.

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