Wort zum Sonntag

Erinnern ist wichtiger denn je

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Volkstrauertag abgesagt", lese ich vor Kurzem in einer E-Mail. Wie viele Veranstaltungen in diesem November können auch die öffentlichen Gedenkfeiern zum morgigen Volkstrauertag wegen Corona an manchen Orten nicht stattfinden. "Schade", denke ich. Das öffentliche Gedenken, das kollektive Erinnern, das gemeinsame Trauern um die Opfer von Krieg, Gewaltherrschaft und Terror - bis in die Gegenwart - sind in diesem Jahr wichtiger denn je. Die Corona-Krise verschärft die humanitären Katastrophen in den Kriegsgebieten noch, macht den Irrsinn von Kriegen überdeutlich. Die Schwächsten der Gesellschaft - Frauen, Kinder, Menschen mit Behinderungen, Geflüchtete, Menschen ohne Obdach, auch bei uns! - zahlen in der Krise den höchsten Preis.

Der biblische Prophet Micha ruft vor über zweieinhalb Jahrtausenden den Menschen seiner Zeit zu: "Lernt nicht mehr Krieg zu führen" und verheißt eine Zukunft, in der Schwerter zu Pflugscharen geschmiedet werden. Die Skulptur "Schwerter zu Pflugscharen" eines sowjetischen Künstlers steht noch heute vor dem Sitz der Vereinten Nationen in New York. Das entsprechende Emblem wurde zum Symbol der Ökumenischen Friedensdekade. Zehn Tage lang, vom 8. bis 18. November, mahnt diese Initiative der Kirchen mit vielen Aktionen zum Frieden. Vor 40 Jahren wurde sie ins Leben gerufen.

Eigentlich müsste es heißen: "Volkstrauertag angesagt". Angesagt und möglich auch in der Corona-Zeit sind das Gebet für den Frieden, die Solidarität mit den Schwächsten, das Teilen von Erinnerungen, die kleinen Schritte zum Frieden im persönlichen Umfeld, die Absage an Hassreden in den sozialen Netzwerken. Ich werde morgen für den Frieden beten. Vielleicht schließen Sie sich an, zu Hause mit der Familie oder beim Besuch des Gottesdienstes?

Anne-Barbara Schneider, ev. Kirchengemeinden

Annerod und Oppenrod

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