Erfolg trotz voller Dusche

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Einen Plumps ins Wasser erlebte die Konzertreihe »Songs im Garten« bei ihrer zweiten Ausgabe am Donnerstag. Das abwechslungsreiche Programm mit Joris und Jörg Helfrich sowie Balu erfreute die zahlreichen Zuhörer trotz starker Regenphasen und stellte vor allem erneut klar, dass diese Reihe eben etwas Besonderes ist.

Dass die Reihe »Songs im Garten« etwas Besonderes ist, machte schon das erste Ensemble klar: die Bratschistin des Gießener Philharmonischen Orchesters und der Gitarrist der Band Captain Overdrive spielten entspannt ein kleines Programm von Jazzstandards. Das kammermusikalische Format - die Auftritte sind auf dreißig Minuten pro Künstler begrenzt - passte ideal ins Ambiente des sogenannten Japanischen Gartens hinter der Kongresshalle, in den wieder an die 60 Zuhörer gekommen waren, diesmal gleich mit Regensschutz.

Klassiker wie »Misty« von Errol Garner oder »Black Orpheus« flirrten da anmutig durchs nasse Blätterwerk, während sich die Kombination aus Bratschistin und Rockmusiker bestens bewährte. Jörg Helfrich erwies sich als werkdienlicher Musiker, der sensibel begleitete. Bei einem solchen Programm ist es leicht, hochwertig und eingängig zugleich zu musizieren, und das taten die Helfrichs denn auch. Zwar mutete die Bratsche etwas spröde an, aber das aufgeschlossene Publikum war mit Carlos Jobims »Girl from Ipanema« oder dem seelenvollen »Some day my prince will come« von Miles Davis leicht zu gewinnen. Bei Van Morrisons »Moondance« schlich sich bei der Bratsche jedoch ein leichter Hauch von Monotonie ein. Topabschluss, insgesamt gelungen, Riesenbeifall.

Im zweiten Teil, es tröpfelte fast schon, trat die Gießener Singer-Songwriterin Balu alias Ann-Christine Bromm auf die Bühne. Die junge Musikerin ist seit 2011 professionell aktiv und arbeitet nach einiger Zeit in einem Bandprojekt solo. Und singt zur Gitarre überwiegend eigene Lieder. »Es ist mein erstes Konzert seit Oktober«, sagte sie und man hörte ihr die Freude deutlich an. Und die Zuhörer teilten sie, schließlich hatten auch sie eine sehr lange Zeit ohne Livemusik hinter sich.

Sie wolle heute einfach spielen, worauf sie Lust habe, sagte Balu und legte los. Schon der erste gesungene Ton von »Tanz« machte klar, dass hier eine beeindruckende Erfahrung zu erwarten war. Balu lässt mit ihrer sehr schönen Gesangsstimme sofort musikalische Spannung entstehen, die die Zuhörer vereinnahmt. Da nimmt man ihre engagierten und zuweilen poetischen Texte (»Manchmal will man viel zu sehr«) völlig entspannt zur Kenntnis und als authentisch wahr. Auch ihr Vortrag ist bei aller Energie ganz natürlich. Vor allem hört man bei Balu keine der weitverbreiteten Manierismen, die zur Überdeckung von allerlei Schwächen dienen sollen. Elton Johns »Your song« trug sie mit wunderbar authentischem Gefühl vor, und dann mussten auch schon Kabel und Geräte aus dem erstarkenden Regen gerückt werden. Da alle vorgewarnt waren, traten nur wenige Zuhörer den Heimweg an. Der Rest verharrte und wurde Zeuge einer sich stetig steigernden Performance.

Zuhörer summen begeistert mit

Bei »Sommernachtstraum« ging dann musikalisch richtig die Sonne auf. Balu zeigte erstmals das volle beachtliche Volumen ihrer Stimme, die sie mit guter Dynamikgestaltung einsetzte. »Hätte nicht gedacht, dass es so gut werden würde«, freute sich die Musikerin über den bisherigen Verlauf und machte, völlig unbeirrt vom Regen einfach weiter. Derweil eilte ein Schwung Feuerwehren zum Einsatz, was man nur als leise akustische Untermalung wahrnahm. Zum Abschluss sang sie zwei Lieder im Duo mit den Veranstaltern Cordula Poos (Gesang) und Peter Herrmann (Bass). Da glänzte Balu wieder mit überzeugender stimmlicher Intensität. Als Zugabe und Abräumer dann noch »What’s up« von den 4 Non Blondes. Da summten die Zuhörer im Chor mit.. Ein voller Erfolg trotz voller Dusche: Was will man mehr?

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