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Zahnarzt Frank Tussing möchte als Gegenpol zur Aufgeregtheit in der Corona-Krise wahrgenommen werden. FOTO: PM

Im Epizentrum des Virus

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Gießen(mac). Auch die Zahnärzte sind besorgt. "Noch immer schieben Patienten ihre Zahnarztbesuche aus Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus auf. Dadurch können nicht unerhebliche Gesundheitsrisiken entstehen", sagte Dr. Michael Franz, Präsident der Landeszahnärztekammer Hessen vor einigen Tagen. Die Zahnärztekammer Berlin meldete, dass in der Corona-Krise in der Hauptstadt über 100 Praxen geschlossen blieben, 50 bis 80 Prozent aller Termine abgesagt worden seien und ein Großteil der Praxen Kurzarbeit angemeldet hätte. Letzteres habe es bei Zahnärzten nie zuvor gegeben.

Der Gießener Zahnarzt Frank Tussing ist mit seinem Team seit Beginn der Corona-Krise für seine Patienten da. Weil Zahnärzte im Epizentrum des Virus, dem Mund- und Rachenbereich, arbeiten, gilt der Beruf in der Corona-Krise als "Risikojob", an Hygieneanforderungen in Praxen stellt der Gesetzgeber aber schon seit Jahren sehr hohe Anforderungen. Denn auch vor Corona gab es Bakterien und Viren, vor denen das Behandlungsteam und die Patienten geschützt werden mussten. "Für uns ist das Tragen von Masken, Mundschutz und Einmalhandschuhen ja nichts Neues, sondern tägliches Geschäft", sagt Tussing. In seiner Praxis im Ulner Dreieck hat er die ohnehin geltenden Schutzmaßnahmen allerdings von Anfang an verstärkt, zum Beispiel durch die Reduzierung der Wartezeit, die geringere Personenanzahl im Wartezimmer sowie mit der Regelung, dass sich Begleitperson außerhalb der Praxis aufhalten müssen. "Unser oberstes Ziel ist, dass die Patienten und auch wir alle gesund durch diese Zeit kommen", betont Tussing. Seinen medizinischen Versorgungsauftrag nimmt der 51-jährige Gießener ernst. Er gelte in guten wie in schlechten Zeiten. "Wir sind stolz, dass wir auch in der Krise für die Gesellschaft da sein können. Deswegen haben wir uns irgendwann für diesen Beruf entschieden", sagt der gebürtige Schlammbeiser.

In den vergangenen Wochen habe er aber auch erfahren, dass es derzeit um mehr gehe als um medizinische Grundversorgung, Karies beseitigen oder Zahnstein entfernen. "Vieles dreht sich um die große Verunsicherung der Patienten", sagt Tussing. Für ihn als Arzt sei sehr früh klar gewesen, dass er souverän und sachlich auf seine Patienten zugehen müsse. "Die soziale Isolation hat gerade ältere Menschen verstört. Da ist es wichtig, beruhigend auf sie einzuwirken. Als Gegenpol zur Aufgeregtheit, die in der Öffentlichkeit herrscht."

Doch auch seine Mitarbeiter hätten anfangs Sorgen gehabt. "Wir arbeiten nah an Menschen, sitzen im Sprühnebel. Da stellt sich die Frage: Was bringt man mit nach Hause?" Tussing ist stolz auf sein Team. Um sich selbst hätten sich die Mitarbeiter immer die wenigsten Sorgen gemacht.

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