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Der Asphalt muss aufgeschnitten werden, um die Anomalie freizulegen.

Entwarnung nach Loch 16

  • Christoph Hoffmann
    VonChristoph Hoffmann
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Gießen (chh). Ohrenbetäubender Lärm dröhnt über das Bahnhofsareal. Gerade ist ein Mitarbeiter der Sondierungsfirma dabei, mit schweren Gerät den Asphalt aufzuschneiden. Die Sonde hat angezeigt, dass hier eine Anomalie im Boden liegt. Doch es dauert nicht lange, bis Gewissheit herrscht: Weder in diesem noch in den anderen drei Löchern, die der Bagger am Dienstagmorgen in die Erde gegraben hatte, lag ein Blindgänger.

Da bereits am Vortag nur Eisenstangen, Kabelstränge und erzhaltige Steine aus dem Boden geholt worden waren, konnte die Stadt nach der Untersuchung des 16. und letzten Lochs freudig verkünden: »Es wurde keine Bombe im Bahnhofsviertel gefunden. Es muss keine Evakuierung geben.«

Die Sondierung war nötig geworden, da die Stadt zwischen Neuer Post und den Gleisen eine Fahrradabstellanlage plant. Bei einer ersten Untersuchung waren die 16 Anomalien in der Erde festgestellt worden. Bereits im Vorfeld war klar, dass hier nicht detonierte Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg liegen könnten. Allerdings schlägt die Sonde auch bei Stahlträgern, Erz, Rohren oder Kabelresten aus.

Das dreiköpfige Team der Sondierungsfirma brauchte am Dienstag nur wenige Stunden, um die letzten Zweifel zu beseitigen. Dabei dürften die Verantwortlichen bei jenen vier Anomalien die größten Sorgen gehabt haben. Denn bereits am Montag hatte Peter Rijkens von der zuständigen Sondierungsfirma betont, dass sich sein Team von der kleinsten bis zur größten Anomalie vorarbeiten würde. Je näher die Männer dem letzten Loch kahmen, desto größer war also die Wahrscheinlichkeit, dass hier ein Blindgänger im Boden schlummerte. Doch dem war nicht so.

Demnach war auch eine Evakuierung vom Tisch, in deren Zuge bis zu 15 000 Menschen ihre Wohnungen hätten verlassen müssen. Auch in der Uniklinik sowie im St.-Josefs-Krankenhaus Balserische Stiftung dürfte die Erleichterung groß gewesen sein, schließlich hätte ein Bombenfund den Betrieb gehörig durcheinander gewirbelt. Das St.-Josefs-Krankenhaus hätte zum Beispiel einige Patienten in andere Kliniken verlegen müssen. Sorgen, die seit Dienstagvormittag vom Tisch sind.

Zumindest vorerst. Denn Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz erinnerte an die »bittere Erkenntnis«, dass das Thema Bomben in Gießen mit der Sondierung am Bahnhof nicht abgeschlossen sei. »Die Folgen des zerstörerischen Krieges werden uns noch viele Jahre bei Baumaßnahmen begleiten.« Grabe-Bolz dankte zudem allen Beteiligten, zum Beispiel Polizei, Rettungskräften, den Kliniken, Betrieben und nicht zuletzt den Gießener Bürgern. »Es war eine harte Probe, aber wir haben sie alle gemeinsam bestanden.«

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