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In diesem Teil des ehemaligen US-Depots - vom Rödgener Udersberg aus fotografiert - könnte ein Nahverteilzentrum für Pakete entstehen.

Kündigungen für Mieter

Gießen: Neues Paketzentrum im US-Depot?

  • Marc Schäfer
    VonMarc Schäfer
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Am Rand des ehemaligen Gießener US-Depots soll offenbar ein neues Verteilzentrum für Pakete entstehen. Die Besitzer des Areals schweigen, haben etliche bestehende Mietverhältnisse aber bereits gekündigt.

Gießen – Die Kündigungsschreiben lagen kürzlich ohne Vorwarnung in den Briefkästen einiger Gießener. »Das mit Ihnen bestehende Mietverhältnis kündigen wir hiermit ordentlich. Das Mietverhältnis findet daher zum 31.07.2021 sein Ende«, heißt es in den Schreiben, die nun unter anderem von der Volkshaus GmbH, der Besitzerin des Areals mit der Anschrift Am alten Flughafen 1 im ehemaligen US-Depot, verteilt worden sind und dieser Zeitung vorliegen.

Dem Vernehmen nach könnten mehr als 50 Mieter betroffen sein, die auf dem rund 35 000 Quadratmeter großen Gelände am nordöstlichen Rand des ehemaligen Gießener US-Depots ihren Firmensitz haben, Werkstätten betreiben oder Stellplätze nutzen, um an Wohnmobilen oder Oldtimern zu schrauben. Ein Grund für die Kündigung ist den Gekündigten eigenen Angaben zufolge nicht mitgeteilt worden. Die Volkshaus GmbH, die das Grundstück vor einiger Zeit von der Revikon GmbH gekauft hat, ließ mehrere Anfragen unbeantwortet, die an die Geschäftsführer Horst Faltus, Hasso Komp und Wolfgang Berger gerichtet waren.

Pläne für Gießener US-Depot: Bauvoranfrage eingereicht

Folglich äußerte sich das Unternehmen auch nicht zu den Plänen, die man mit dem Gelände hat. Dem Vernehmen nach plant Volkshaus den Verkauf des Areals, das sich zwischen einem von den Stadtwerken genutzten Gelände und einem zum Teil vom Regierungspräsidium genutzten Gebäude befindet, an einen Investor. Zuvor soll die Fläche offensichtlich entmietet werden. In Zukunft soll - so zumindest eine Option - nach Recherchen dieser Zeitung dort ein sogenanntes Feinverteilzentrum für Pakete entstehen. Bürgermeister und Planungsdezernent Peter Neidel bestätigt auf Anfrage dieser Zeitung, dass »seit Januar Gespräche mit dem Investor sowie der Betreiberin des beabsichtigten Feinverteilzentrums laufen«. Wer Investor und Betreiberin sind, legt die Stadt nicht offen. »Der Magistrat kann nach Rücksprache mit dem Investor dazu derzeit keine Auskunft geben«, lässt Neidel verlauten. Spekuliert wird, dass es sich bei dem Investor um ein Bauunternehmen handeln könnte, das für Amazon direkt oder einen Amazon-Dienstleister tätig wird. Amazon selbst erklärte auf Anfrage dazu: »Zu einem Standort in der Region Gießen hat Amazon keine Ankündigung gemacht.«

Ob ein weiteres Logistik-Unternehmen überhaupt im US-Depot angesiedelt werden kann, ist bereits Thema in der Verwaltung. »Die grundsätzliche Genehmigungsfähigkeit wird seit einigen Tagen im Rahmen einer eingereichten Bauvoranfrage geprüft«, bestätigt Neidel. Dabei gehe es »nicht nur um die Einhaltung aller planungs- und baurechtlichen Vorgaben, sondern insbesondere um die Verträglichkeit der Verkehrs- und Lärm-auswirkungen«, betont der Bürgermeister. Eine endgültige Antwort dazu könne noch nicht gegeben werden.

Neues Paketzentrum in Gießen: Verkehrsbelastung verträglich?

Im Bebauungsplan ist eine logistische Nutzung für diesen Teil des Areals jedenfalls nicht ausgeschlossen. Eingeschränkt ist jedoch die Höhe einer neuen Bebauung, da die dortige Frischluftschneise nicht gestört werden darf. Wichtigstes Kriterium dürfte indes das Verkehrsaufkommen sein, das mit einem Feinverteilzentrum einhergeht. Daher werde derzeit »eine Verkehrsuntersuchung erstellt, die alle im Bebauungsplanverfahren ermittelten und kommunizierten verkehrlichen Anforderungen berücksichtigt und überprüft, ob die zusätzliche Verkehrsbelastung verträglich abgewickelt werden kann«, erklärt Neidel. Ergebnisse und eine Bewertung werden laut Neidel erst Ende Mai vorliegen.

Bis dahin werden die gekündigten Mieter wohl eine neue Bleibe haben. Im Moment herrscht unter ihnen Wut und Enttäuschung, da einige erst kürzlich in die Mietsache investiert hatten. Aber auch, da zu Mietbeginn Versprechungen gemacht worden seien, die vonseiten der Vermieter nicht eingehalten worden seien. Eklatant: Über die Wintermonate sei die Heizungsanlage ausgefallen, aber nicht repariert worden. Nun werde klar, warum, sagt ein Nutzer. Zudem seien Toilettenanlagen verdreckt oder geschlossen, auch das Licht in den weitläufigen dunklen Fluren funktioniere nicht. Nicht zuletzt sei von Personen aus dem Umfeld der Vermieter Druck ausgeübt worden. »Ich habe das Gefühl, einige sollen hier rausgeekelt werden«, sagt eine Mieterin. Auch zu diesen Vorwürfen war von den Geschäftsführern bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme zu erhalten.

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