Entschleunigter Genuss

  • Armin Pfannmüller
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Flanieren am Fluss und dabei allerlei Anregungen aus Kunst und Musik erhalten? Wer von so etwas schon immer mal geträumt hat, war am Sonntag in Löber- und Lonystraße genau richtig. Die 13. Auflage von »Fluss mit Flair« bot Tausenden Besuchern einmal mehr eine Anleitung zum entschleunigten Genießen.

Die Torte passt zum optischen Muster der Veranstaltung. Viele süße kleine Kuchenstücke mit schwarz-weißen Karos werden um kurz nach zwölf an die Besucher verteilt. »Sprühen und schneiden sind meine Aufgaben«, sagt die Oberbürgermeisterin kurz und spart sich eine lange Eröffnungsrede. Dann greift Dietlind Grabe-Bolz, musikalisch begleitet von Freddy Beckers Akkordeon und den Tröten zweier Clowns, zu Sprühsahne und Messer und verteilt Tortenstücke.

Die 13. Ausgabe des Kunstspektakels »Fluss mit Flair« steht unter dem Motto »Immer dasselbe?«. Dass dieser Titel nicht ganz wörtlich genommen werden darf, erklären die Veranstalter in einer Pressemitteilung gleich selbst: »Die Kunstschaffenden an den 135 Ständen sind eingeladen, diese Frage künstlerisch zu interpretieren und den flanierenden Besuchern mit neuen Ideen und Kreationen darauf zu antworten.«

Die passende Antwort gelingt den Künstlern spielend. Da sind zum Beispiel die 13 Akteure des »Urban Art Project«, die eine 45 Meter breite Wand in der Lonystraße mit Graffiti-Motiven versehen. Ausgerüstet mit Mundschutz und Spraydose bieten sie den Besuchern im wahrsten Sinne des Wortes breiten Anschauungsunterricht über ihr künstlerisches Können. Vor Kurzem haben sie die Wand des Faber & Schnepp-Areals im Schiffenberger Tal verschönert, berichten Alexandra Agel und Nils Hellhund. Doch beim »Urban Art Project« geht es nicht nur ums Sprayen. Die Akteure haben auch Fotografie, Malerei und Musik im Repertoire.

Eine Mischung aus Ausstellung und Freiluftatelier hat die Fachoberschule Gestaltung der Willy-Brandt-Schule aufgebaut. Mit Acrylfarben werden Motive von Postkarten und solche, die bei der jüngsten Klassenfahrt entstanden sind, nachgemalt.

Für Besucher, die selbst aktiv werden wollen, gibt es an der Ecke Bismarck-/Lonystraße Straßenmalerei für große und kleine Kinder. Federführend ist hier die Gesamtschule Hungen. Ilse Schrape als ehemalige Lehrerin und Mitglied des Organisationsteams freut sich über die Ideen der Künstler und kommt im Gespräch auf das Veranstaltungsmotto zurück. »Was die Leute hier zeigen, ist nie immer dasselbe.« Sie ist auch bei der 13. Auflage noch immer stolz auf die Idee, eine Kunstaktion an der Wieseck ins Leben gerufen zu haben. »Wir sind unseren Prinzipien treu geblieben: keine Verkaufsveranstaltung, keine Fressorgie und kein Tinnef.«

Tatsächlich kann man beim Flanieren vorbei an Ständen mit Schnipselkunst, Air-Brush-Motiven oder Märchen aus aller Welt immer wieder Neues entdecken. Teresa Rinder und Caro Maid zeigen Motive in Druckgrafik. Und sie bieten einen Tag der offenen Tür an für Menschen, die sich für Hochdruck interessieren: am 23. Juni von 13 bis 18 Uhr in den Ateliers des Jugendzentrums Jokus.

Künstlerische Mitstreiter suchen auch Heike Schaffrath und Klaus-Peter Heinz, die ihre Räume im Tannenweg 41 immer montags als offenes Atelier für Hobbykünstler betreiben. »Es ist einfach schöner, in der Gruppe zu malen«, sagt Schaffrath. Bei der Wahl ihrer Motive sind die beiden breit aufgestellt: Sie reichen vom Frauenakt über Industriebauten bis zum Tierporträt.

Selbstverständlich besteht »Fluss mit Flair« nicht nur aus Kunst und Musik. Viele Anwohner öffnen ihre Höfe, bewirten die Gäste mit Kaffee, Kuchen, Würstchen, Bier und Wein. Zum Verweilen lädt auch das »Café de Paris« ein, das seinem Namen an der Ecke Löber-/Bismarckstraße mit Quiche und Cidre alle Ehre macht.

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