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An der Bismarckstraße beginnt das wegen akuten Wassermangels verkürzte Rennen.

Entenrennen fast im Trockenen

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Zum zehnten Mal gab es jetzt die Traditionsveranstaltung an der Wieseck. Sie wurde zur Hitzeschlacht - die Teilnehmer hatten dennoch ihren Spaß. Der Erlös dient natürlich wieder einem guten Zweck.

Quietscheentchen schwitzen nicht. Leider, muss man am Sonntag sagen. Den einen oder anderen Tropfen könnte die Wieseck nämlich ganz gut gebrauchen. Weil es ihr an Wasser mangelt, fällt die erste schwerwiegende Entscheidung beim zehnten Gießener Entenrennen des Lions-Clubs Gießen "Justus von Liebig" bereits lange vor dem Start. Statt die Plastiktierchen, wie üblich, am Alten Gaswerk auf die Reise zu schicken, transportiert der Bagger sie diesmal nur bis zur Bismarckstraße.

"Wir wollen ja alle vor Mitternacht nach Hause", erklärt Rennleiter Markus Pfeffer. Selbst vom Café de Paris bis zum Ziel nahe der Bleichstraße brauche die Siegerin "sicher anderthalb Stunden".

Um Punkt 15.33 Uhr ist Pfeffer widerlegt. Ohne erkennbare Zeichen von Erschöpfung schippert Nummer 10354 nach gut 20 Minuten als Erste durchs Ziel. Ungefähr 1500 kleine gelbe und 30 große weiße Rennenten werden folgen. Mit dem Verkauf und dem Erlös sei der Verein entsprechend sehr zufrieden, betont ein Sprecher. Vor allem in der Uniklinik hätten die Helfer im Vorfeld reichlich schwimmende Lose an den Mann oder an die Frau gebracht. Kein Wunder, kommt der Erlös aus dem Charity-Rennen in diesem Jahr doch dem Projekt "StartKlar" für kranke und frühgeborene Babys zugute.

Apropos startklar: Das sind die Hauptdarsteller auch, als Gerda Weigel-Greilich von der Brücke aus flugs eine Ansprache hält. Die Stadträtin freut sich über recht viele Zuschauer, die sie als "hartgesottene Fans" begrüßt. Länger wolle sie den Betrieb gar nicht aufhalten. Bei 36 Grad sicher eine gute Idee. Nach dem "Go" für die Firmenenten und dem obligatorischen Countdown ertönt schließlich der Startschuss aus einer Signalpistole. Die Enten sind unterwegs - und nicht wenige der "Hartgesottenen" am Ufer schon bald ziemlich weich gekocht.

Blitzumfrage im Publikum, solange die Aufnahmefähigkeit noch knapp über null liegt: Was treibt einen an diesem glutheißen Tag zum Entenrennen? Na was wohl, die Hoffnung, dass eine der eigenen Enten siegt, antwortet ein Mann. Vier Stück habe er an den Start geschickt, samt und sonders inkognito und nicht etwa bunt verziert. Die junge Frau an seiner Seite fährt exakt die gegenteilige Strategie: Sie drückt ihre Daumen nur einer Kandidatin, die dank liebevoller Gestaltung allerdings weithin erkennbar ist. Nützt alles nichts. Am Ende gehen beide Ententrainer leer aus.

Preise erhalten die Besitzer der drei schnellsten sowie die der drei schönsten Enten. Das von einer Jury zu Gießens hübschestem Quietscheentchen gewählte Exemplar besticht durch sein schmuckes Federkleid - und ist damit im Wasser von vornherein chancenlos, wie Lions-Mitglied Klaus Rumpf zu bedenken gibt. Einen eigens ausgelobten Sonderpreis erhält eine Ente im Boot. Sie scheint dank ihres imposanten Gefährts zwar deutlich im Vorteil, darf aber gar nicht erst an den Start. Und die schnellste Firmenente beschert dem Ingenieurbüro Rempe und Polzer ein Kletterwochenende als Teambuilding-Maßnahme. Vermutlich auch dies nicht komplett trocken.

Zumindest für die Sieger gilt, man mag es kaum sagen: Ente gut, alles gut. Wer nichts gewinnt, tröstet sich mit dem Gedanken an einen satten Spendenerlös. Und angesichts der erbarmunglos auf die Enten und ihre Trainer herunter brennenden Sonne gewiss auch mit der Aussicht auf Eis und Schatten.

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