Der Erdglobus ist circa 300 Jahre alt. FOTO: BARBARA ZIMMERMANN/UB GIESSEN
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Der Erdglobus ist circa 300 Jahre alt. FOTO: BARBARA ZIMMERMANN/UB GIESSEN

Von der Entdeckung der Welt

  • Christoph Hoffmann
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Gießen(chh). Sie stammen aus einer Zeit, als Landkarten noch mit weißen Flecken besprenkelt waren. Das Innere des afrikanischen Kontinents beispielsweise war für die Entdecker noch ein großes Fragezeichen. Auch auf den Südpol hatte noch kein Mensch einen Fuß gesetzt. Die beiden Globen, die in der Universitätsbibliothek der JLU stehen und zur Kartensammlung gehören, sind um 1700 entstanden. Einer Zeit, in der die Menschen von exotischen Fernreisen nur träumen konnten. Weit entfernte Länder waren große Rätsel, ein Mysterium. Fotografien oder gar Videos gab es seinerzeit schließlich noch nicht.

Kalifornien als Insel dargestellt

Dr. Olaf Schneider ist Leiter der Sondersammlungen in der UB und somit verantwortlich für die Globen. Er sagt: "Der reich illustrierte Himmels- und der wertvolle Erdglobus entstanden wohl als Paar in einer deutschen Werkstatt und dienten in Gießen vermutlich zu Unterrichtszwecken." Die Datierung sei über die Umrisse der bis dahin bekannten Kontinente möglich. So ist auf dem Erdglobus zum Beispiel Kalifornien noch als Insel dargestellt.

Wie die beiden Globen an die Gießener Uni gekommen sind, ist unklar. Von Landgraf Philipp III. von Hessen-Butzbach stammen sie jedoch nicht. Er lebte einige Zeit früher, von 1581 bis 1643. Die Globen hätten aber gut zu ihm gepasst. Philipp war leidenschaftlicher Mathematiker und Astronom, Johannes Kepler stattete ihm in Butzbach Besuche ab, Philipp korrespondierte sogar mit Galileo Galilei. Der Landgraf fertigte auch einen großen Himmelsglobus an, dessen Qualität von Kepler gerühmt wurde. "Dieser Globus kam nach Philipps Tod an die Gießener Uni", sagt Schneider. Noch 1830 sei er dort gewesen, seitdem gelte er als verschollen.

Zurück zu den Globen aus der UB. Laut Schneider lässt sich an diesen beiden Stücken gut erkennen, wie zu jener Zeit gearbeitet wurde. "Pappmaschee, das aus alten Buchseiten bestand, wurde zu einer hohlen Kugel geformt und mit einer Gipsschicht überzogen. Darauf brachte man vorgefertigte und in der Größe genau angepasste Papierstücke auf, die von Hand beschriftet und koloriert wurden. Die Kugeln der Globen ruhen in einem Messingring, der wiederum in einem Holzgestell lagert."

Während sich auf dem Himmelsglobus nur der Staub der Jahrhunderte festgesetzt hat, wie Schneider es formuliert, ist der Erdglobus beschädigt. Bei einem Sturz im späteren 19. oder frühen 20. Jahrhundert zerbrach sein Meridianring, den man dann mit Holzplättchen und Nägeln zusammenflickte. Zugleich sprang die Kugel aus ihrer Halterung im Messingring, weshalb dieser ihre Oberfläche über die Jahre deutlich abschabte.

Von Studentinnen restauriert

Doch dank zweier Studentinnen gehören die Beschädigungen der Vergangenheit an. "Zunächst wurde der Erdglobus von einer Stuttgarter Studentin für ihre Abschlussarbeit restauriert", sagt Schneider. Danach habe eine weitere Studentin den Himmelsglobus bearbeitet. Im Zuge der Restaurierung hätten beide Globen zudem passgenaue Schutzverpackungen aus säurefreiem Sepzialkarton erhalten.

Somit können auch künftige Generationen diese Globen studieren - und sehen, wie Christoph Kolumbus, Ferdinand Magellan oder Vasco da Gama weiße Flecken mit Farbe füllten.

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