Ensemble zeigt sich in Topform

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Gießen (bf). Der Winter ist die Zeit des Vergnügens, jedenfalls im Minitheater Musenkeller, ganz tief unter der Bonifatiuskirche gelegen. Die aktuelle Produktion der Komödie "Wochenendaffären" von Robin Hawdon zeigt das Ensemble in Topform, und die Inszenierung von Guy Sagnes bringt die beachtlichen Fähigkeiten der Truppe mal wieder voll zur Geltung.

Das Rezept: betrügerische Paare treffen sich, und Dinge kommen ans Licht, was auch im Kino gern passiert. Hier möchte das Ehepaar Clara (Annette Filippi in Bestform) und Roland (Philipp Brenne, routiniert, doch meist zu laut) eigentlich ein Wochenende mit außerehelichen Partnern verbringen, aber alles geht schief. Das Buch arrangiert routiniert alle Zutaten für eine Verwechslungskomödie: ein schwuler Innenarchitekt (großartig: Christian Henkel), Robbi, ein dumpfsinniger Preisboxer (herrlich grobschlächtig: Michael Müller). Dazu Claras Freundin Leni (routiniert: Hanna Weller) und nicht zuletzt Claras Liebhaber Robert (französisch-sinnlich: Michael Bayer).

Das Ganze läuft versiert auf die Sprengung aller Geheimnisse raus, denn natürlich ahnt niemand, dass er betrogen wird. Die Inszenierung lässt die nötigen Erklärungen - auch diese Komödie funktioniert nicht ohne langatmige "Wie und Warums" - zielsicher auf die Explosion zutreiben.

Mit einem so routinierten Ensemble und vor allem einer schauspielerfahrenen Darstellerin wie Filippi übersteht man die zähen ersten Minuten fast ohne Langeweile, während man die fantasievoll-überkandidelten Einfälle des Autors zur Kenntnis nimmt. Das luftige Bühnenbild gibt dem Ensemble Raum zum Spielen, die Kostüme sind sehr schick. Neben Filippi entfaltet sich vor allem Christian Henkel, der den klischeehaften schwulen Inneneinrichter gibt, zu großer Prägnanz.

Ansonsten regen sich alle Ehebrüchigen furchtbar auf, weil sie haarscharf an der Entdeckung entlangrutschen, es werden zahllose Schlafzimmer erwähnt und getauscht, und vor allem konstruiert man eine komplexe zweite Ebene, auf der alle eine andere Person spielen sollen. Sagnes hält den Stoff mit einer stets in Bewegung befindlichen Inszenierung am Rollen.

Inszenierung von Guy Sagnes

Die größte Attraktion sind die Schauspieler, und da etwa Michael Bayer, der mit großer Sicherheit eine angenehm triebhafte, "französische" Energie einbringt und Christian Henkel, der seinen zur Charade dienstverpflichteten Dienstleister langsam, aber glanzvoll entfaltet. Keinesfalls vergessen darf man Michael Müller, der den preisboxenden Ehemann gibt. Das alles hält die bewährte Annette Filippi auch in ihrer Rolle mühelos zusammen, organisiert fieberhaft immer neue Problemlösungen und liefert auch sehr schöne zarte Momente.

Die Inszenierung fügt einige sehr nette Details und Momente ein (es gibt eine witzige Überraschung) und erfüllt das wichtigste aller Versprechen: es soll doch Spaß machen. Tut es auch, das Publikum war begeistert.

Kartenreservierungen unter Telefon 0641/ 7 37 24.

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