Engpässe in Kindergärten

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Gießen(kw). Wenn eine Familie neu nach Gießen zieht, findet sie nur schwer einen Betreuungsplatz für einen Fünfjährigen. Kindergartenleiterinnen "müssen permanent Absagen erteilen", und "die Lage spitzt sich zu". So schilderte Gaby Nickel von der Arbeiterwohlfahrt im Jugendhilfeausschuss akute Kita-Engpässe gerade bei über Dreijährigen. Jugenddezernentin Gerda Weigel-Greilich (Grüne) wiegelte im GAZ-Gespräch ab. "Bisher hat es sich immer irgendwie geregelt." Der Personalmangel in der Kinderbetreuung wird indes vielerorts sichtbar. Beispielsweise lässt das Interesse an der Ausbildung zur Tagesmutter zu wünschen übrig.

Seit Jahren schaffen die Stadt und die freien Träger immer mehr Betreuungsplätze - doch noch schneller wächst der Bedarf, auch weil mehr Familien in Gießen leben. Dramatisch sei die Situation indes nicht, meint Weigel-Greilich. "Es gab noch keine Klage" - mit der Eltern ihren Anspruch auf einen Kita-Platz hätten durchsetzen können. Manche Kreisbürger "melden einen zweiten Wohnsitz in Gießen an", etwa weil es hier großzügigere Öffnungszeiten gibt als bei ihnen vor Ort.

Weigel-Greilich plädiert für eine weitere "Flexibilisierung" der strengen Regeln, wer in Kitas arbeiten darf. Dafür werde schon der "Leidensdruck" in den Großstädten sorgen, so ihre Hoffnung. "Wir sind alle gefordert, Ermessensspielräume zu nutzen", legte sie den Fachleuten im Ausschuss ans Herz und beklagte erneut, dass erfahrene Tagesmütter nicht als Erzieherin arbeiten dürfen.

Größere Gruppen?

Ihnen und anderen Interessierten hat die Stadt Gießen mit der Idee der Alltags-Assistenz jüngst einen Weg in die Kitas geebnet. Im GAZ-Gespräch nannte Weigel-Greilich als weitere Möglichkeiten mehr Ausnahmeregelungen zur Gruppenvergrößerung sowie einen veränderten Umgang mit Integrationskindern. Bisher sind Gruppen mit Kindern mit besonderem Förderbedarf extra klein; stattdessen könne es zusätzliches Personal geben. Dazu sei ein Modellversuch in der neuen Kita des Roten Kreuzes am alten Schlachthof vorgesehen.

Die Stadt wolle außerdem die neue duale Ausbildung für Erzieherinnen vorantreiben, so Weigel-Greilich. Daran hat auch die Aliceschule Interesse. Doch die Finanzierung sei noch völlig unklar, betonte Nickel. Eine Einstellung eines Azubis für drei Jahre sei für Träger derzeit zu riskant.

Vor allem für kleinere Kinder ist die Unterbringung in der Tagespflege eine gute Alternative. Dieses Angebot schrumpft indes seit Jahren - auch weil junge Mütter häufig früh in ihren Beruf zurückkehren, statt einige Jahre zu Hause als Tagesmutter tätig zu werden. Nachdem die Evangelische Familien-Bildungsstätte ausgestiegen ist, werden für den Neustart der Qualifizierung ab März beim AWO-Bildungswerk noch Kandidaten/innen gesucht. Eigentlich waren 15 Teilnehmer geplant, nun hoffe man auf 10, erklärt Geschäftsführerin Mechthild Hermann. Möglicherweise müsse der Kurs ausfallen.

Mehrere Ausschussmitglieder kritisierten, dass die Ausbildung nicht berufsbegleitend möglich ist und dass selbst Erzieherinnen die auf 300 Unterrichtseinheiten aufgestockte Qualifizierung komplett absolvieren sollen. Auch hier wünscht sich Weigel-Greilich Flexibilisierung.

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