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Energiefresser Hallenbad geschlossen: Stadtwerke nennen Details zu Einsparungen

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Von: Christoph Hoffmann

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Wegen der Energiekrise heizen die Stadtwerke nicht mehr alle Becken voll auf. © pv

Die Gießener Stadtwerke haben das Hallenbad in der Ringallee für die Öffentlichkeit geschlossen. In der aktuellen Energiekrise erhofft man sich Einsparungen von rund 50 Prozent.

Gießen - Der Krieg in der Ukraine und die Abhängigkeit vom russischen Gas haben Deutschland in eine Energiekrise gestürzt. Die Bundesregierung hat die Bürger daher zum Energiesparen aufgerufen. Die Gießener Stadtwerke, die derzeit auf dem Gasmarkt ein Vielfaches des Ursprungspreises berappen müssen, haben dem Aufruf von Wirtschaftsminister Robert Habeck folgend das Hallenbad an der Ringallee für die Öffentlichkeit geschlossen. Lediglich Schul- und Vereinssport finden dort noch statt. »Wir leisten damit unseren Beitrag, Energie zu sparen und damit eine mögliche Gasmangellage im Winter zu verhindern«, erklärte jüngst Uwe Volbrecht, der Leiter der Gießener Bäder.

Hallenbäder sind wahre Energiefresser. Das permanente Aufheizen des Wassers auf teils über 30 Grad und die von den spärlich bekleideten Badegästen benötige Raumtemperatur sorgen für einen immensen Gasverbrauch. Der Betrieb der Warmwasserbecken wird daher bundesweit kontrovers diskutiert.

Die Teil-Schließung des Hallenbads in der Ringallee hat in den Sozialen Medien ebenfalls unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen. Darunter auch Kritik. Demnach würden die Maßnahmen nicht viel bewirken, da die Becken wegen des Schul- und Vereinsschwimmens ja weiterhin geheizt werden müssten.

Hallenbad in Gießen geschlossen: SWG hoffen auf hohe Einsparungen

Das stimmt, sagt SWG-Sprecher Uli Boos, aber eben merklich weniger und seltener. Demnach wurde die Wassertemperatur im Sport- und im Aktivbecken von jeweils 28 auf 25 Grad gesenkt, wodurch deutlich weniger Energie für das Nachheizen benötigt werde. Das Babybecken werde gar nicht mehr geheizt. Zudem seien die Zulufttemperaturen der Lüftungsanlagen im gesamten Haus auf 28 Grad abgesenkt worden. »Die Heizung des Warmtauchbeckens in der Sauna ist ebenfalls abgestellt«, sagt Boos und fügt an, dass dies auch für den erdgasbetriebenen Ofen in der Aufguss-Sauna gelte. Da die Umwälzpumpen der Badewasseraufbereitungsanlagen belastungsorientiert liefen, werde dort ebenfalls deutlich weniger Energie verbraucht. »Und nicht zuletzt sparen wir täglich für circa 450 Badegäste und 70 Saunanutzer die Duschwassererwärmung.« In den Sommerferien bleibe das Hallenbad an der Ringallee zudem komplett geschlossen, also auch für den Schul- und Vereinssport.

Wie hoch die Einsparung in Gießen am Ende ausfallen wird, kann Boos noch nicht beziffern. Dafür würden die Vergleichswerte fehlen. »Wir erwarten aber Einsparungen in der Größenordnung von rund 50 Prozent«, sagt der SWG-Sprecher. Dabei gehe es nicht darum, Kosten zu senken, sondern einzig und allein um einen Beitrag zur Verhinderung der drohenden Gasmangellage.

Kältere Schwimmbecken in Gießen: 2 Grad bringen 25 Prozent Einsparung

Die Stadtwerke sind nicht die einzigen Schwimmbadbetreiber, die Maßnahmen zum Energieverbrauch umgesetzt haben. In vielen Becken des Landes sind die Temperaturen abgesenkt worden. Das begrüßt auch die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen. Eine Absenkung von lediglich zwei Grad könnten bis zu 25 Prozent Energieeinsparung bringen, sagte Pressesprecherin Ann-Christin von Kieter jüngst. Der stellvertretende Geschäftsführer Michael Weilandt betont nun gegenüber dieser Zeitung, dass sich auch die Maßnahmen der Gießener Stadtwerke mit den Empfehlungen der Gesellschaft decken würden. Besonders das Aufrechterhalten des Schulschwimmens begrüßt Weilandt. »Dafür setzen wir uns derzeit auch auf politischer Ebene stark ein.«

Der Interessenverband hatte in der Vergangenheit mehrfach zum Energiesparen in Bädern aufgerufen und die Sorge geäußert, der drohende Gasmangel in Herbst und Winter könnte zu einem Lockdown bei den Hallenbädern führen. »Noch kann man aber keine Prognose abgeben, ob es dazu kommt«; sagt Weilandt. »Das wäre Kaffeesatzleserei.«

Zum jetzigen Zeitpunkt denken auch die Gießener Stadtwerke nicht an eine Schließung des Hallenbads in der kalten Jahreszeit. Laut Boos soll der Hallenbadbetrieb nach dem Ende der Freibadsaison wieder aufgenommen werden. (Christoph Hoffmann)

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