Wort zum Sonntag

Am Ende der Komfortzone

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Gehörst du jetzt auch zu denen, die anderen auf die Nerven gehen?", fragt Leonie. Tom hat heute Geburtstag: 18 Jahre wird er alt, schwenkt stolz den Autoschlüssel. "Hä, was meinst du?" "Na, wo du entlang fährst, wohnen Menschen. Die finden den Lärm und die Abgase der Autos nicht so toll." Tom antwortet lässig: "Aber du musst zugeben: Im Auto habe ich es viel bequemer als du auf deinem Fahrrad". Leonie, bei "Fridays for Future" engagiert, ist nicht auf den Mund gefallen: "Das Leben beginnt am Ende der Komfortzone."

Diesem kleinen Dialog lausche ich, als ich zu Beginn des Religionsunterrichts ins Klassenzimmer komme. Ich frage Leonie: "Was meinen Sie mit diesem Satz?" "Na ja", sagt sie, "glauben Sie nicht auch, dass ich es viel lebendiger habe, wenn ich morgens bei Wind und Wetter zur Schule radele, als wenn Tom sich bequem in sein Auto setzt? Heute scheint es immer um Bequemlichkeit zu gehen. Aber das macht doch kein Leben aus", ereifert sie sich. "Für mich heißt Ende der Komfortzone auch, etwas zu tun, wozu ich mich überwinden muss." "Wollen wir gemeinsam darüber nachdenken?", ändere ich spontan meinen Plan für diese Stunde.

Das Ergebnis des Nachdenkens in Kleingruppen ist vielfältig: sich zu trauen, in großer Runde etwas zu sagen, in einer Freundschaft den Ärger offen zu äußern, sich politisch zu engagieren. Uns wird klar: Das Ende der Komfortzone ist an sehr unterschiedlichen Punkten erreicht. Gegen Ende der Stunde fragt Tom: "Aber was hat das jetzt alles mit Reli zu tun?" Wir sammeln Vorschläge: Geht es in der Bibel nicht fast immer um Grenzerfahrungen: Nächstenliebe? Bewahrung der Schöpfung? Das Leben von Jesus? Wir werden darüber in der nächsten Stunde weiter diskutieren. Ich frage mich seitdem, wo meine Komfortzone endet. Entdecke ich neue Lebendigkeit?

Schulpf. Beate Allmenröder

Willy-Brandt-Schule, Gießen

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