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Auch in den Gießener Hausarztpraxen fehlt es weiterhin an Impfstoff. (Symbolbild)

Hausärzte

Corona-Impfungen in Gießen: Ende der Priorisierung macht Probleme

  • Marc Schäfer
    VonMarc Schäfer
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Die Impfpriorisierung in Hessen ist Vergangenheit. Theoretisch kann sich nun jeder für eine Corona-Impfung anmelden. Bei Hausärzten in Gießen führt das zu Problemen.

Gießen - Das Ende der Corona-Impfpriorisierung stellt einige der Gießener Hausärzte vor erhebliche Probleme. »Wir erhalten stündlich massenweise E-Mails mit Terminanfragen, auch von Fremdpatienten. Die Nachfrage hat sich deutlich erhöht«, sagt Witold Rak, Hausarzt und Sprecher des Gesundheitsnetzes Gießener Hausärzte (GNGH), auf Anfrage dieser Zeitung.

Auch die Erwartungshaltung der Patienten, schnell einen Impftermin zu erhalten, habe durch den Wegfall der Priorisierung deutlich zugenommen. »Wo anfangs noch Verständnis war, dass man auf einen Termin warten muss, bis man an der Reihe ist, fehlt jetzt die Geduld«, sagt Rak.

Corona-Impfungen in Gießen: Kritik am Aus für Impfzentren

Dass Geduld aber weiterhin notwendig sein wird, verrät ein Blick auf die Zahlen. Laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) erhalten die Arztpraxen in Deutschland für die kommende Woche vom 14. bis 20. Juni rund drei Millionen Impfstoffdosen. Die Lieferung an Ärzte ist streng reglementiert. Jeder Arzt darf für diesen Zeitraum maximal 24 Dosen Impfstoff von Biontech, 20 Dosen Astrazeneca und 25 Dosen Johnson & Johnson bestellen. »Bei einer Warteliste von 200 bis 300 Personen und ständigen neuen Anfragen kann man sich vorstellen, wie lange es dauert, bis die Listen abgearbeitet sind«, sagt Rak. Zudem bedeute die Bestellung der maximalen Anzahl noch lange nicht, dass die Praxen auch die tatsächlich bestellten Mengen erhalten würden, erklärt der Mediziner. Auf der Seite der KBV heißt es dazu: »Abhängig von der Zahl der Zweitimpfungen ist es möglich, dass Ärzte von Biontech nur ein bis zwei Vials (6 oder 12 Dosen) und von Astrazeneca ein oder kein Vial (10 oder 0 Dosen) für Erstimpfungen erhalten.« Bei Johnson & Johnson könne man als bestellender Arzt mit fünf bis zehn Dosen rechnen. Rak berichtet, dass es auch in seiner Praxis in der Innenstadt zuletzt immer wieder vorgekommen sei, dass gerade vom Biontech-Impfstoff bloß ein Viertel der Bestellmenge geliefert worden wäre. Dies führe natürlich unweigerlich zu einem organisatorischen Problem, da Ärzte kaum verlässlich vorplanen und die tatsächliche Lieferung abwarten müssen, um Patienten einbestellen zu können.

Corona-Impfungen in Gießen: Bereitschaft bei Praxen sinkt

Vor diesem Hintergrund sei es nicht erstaunlich, dass auch in Gießen immer mehr Praxen eine sinkende Bereitschaft rückmelden, weiterhin an der Impfkampagne mitzuwirken. Das angekündigte Schließen der Impfzentren sieht der Mediziner daher kritisch. »Auch das werden die niedergelassenen Ärzte dann ausbaden müssen.«

Rak weist zudem darauf hin, dass die tatsächliche Priorisierung mitnichten aufgehoben sei. »Das ist wie im Wartezimmer. Wenn ein Notfall kommt, müssen die anderen Patienten warten.« So würden weiterhin Menschen mit Risiko für schwere Verläufe natürlich vorgezogen.

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