Elefantenklo bekommt vier neue Rolltreppen

Gießen (ta). Eine im Laufe der Jahrzehnte schon wiederholt geführte Debatte flammte bei der Stadtverordnetensitzung am gestrigen Abend kurz auf: Soll die Fußgängerüberführung Selterstor erhalten bleiben oder soll das Betonmonstrum zugunsten einer ebenerdigen Verkehrsführung auf diesem Knotenpunkt abgerissen werden?

Gießen (ta). Eine im Laufe der Jahrzehnte schon wiederholt geführte Debatte flammte bei der Stadtverordnetensitzung am gestrigen Abend kurz auf: Soll die Fußgängerüberführung Selterstor erhalten bleiben oder soll das Betonmonstrum zugunsten einer ebenerdigen Verkehrsführung auf diesem Knotenpunkt abgerissen werden? Für das Verschwinden des Unikums plädierte nur Elke Koch-Michel (Bürgerliste). Die große Mehrheit sprach sich mittelbar dagegen aus, indem sie der Magistratsvorlage zustimmte, dass die vier störungsanfälligen Rolltreppen für 750 000 Euro erneuert werden. Freie Wähler und Linke enthielten sich der Stimme. Den FW-Antrag auf Vertagung der Entscheidung lehnte die Koalition ab.

Auf Antrag der FDP bewertete Stadtrat Thomas Rausch den kürzlich vom Gießener Verkehrsplaner Prof. Norbert Fischer-Schlemm wieder in die Debatte gebrachten Vorschlag, das Elefantenklo abzureißen und das Selterstor so umzubauen, dass Fußgänger diese Kreuzung problemlos überqueren können. Der frühere Hochschullehrer schätzt die Kosten dafür auf 650 000 Euro.

Als "völlig unwirtschaftlich und unsinnig" stufte der Baudezernent diese Idee ein. Immerhin überquerten täglich 20 000 Fußgänger das Plateau; wenn dieser Verkehrsstrom in den Kfz-Verkehr eingegliedert werden müsste, würde das die Kapazität der Kreuzung überlasten, warnte Rausch. Bei zu langen Wartezeiten für Fußgänger drohe aber das häufige Ignorieren des Rotlichts. Im übrigen läge der Aufwand für Abriss und Umbau um etwa eine habe Million Euro höher als Fischer-Schlemm glaubt.

Die Frage nach einem Abriss stelle sich nicht mehr, befand FDP-Sprecher Harald Scherer nach der ausführlichen Darlegung aus der Stadtverwaltung. Elke Koch-Michel hingegen klagte über Rausch: "Es geht nicht, weil er nicht will." "Reißen Sie es einfach ab und lassen Sie sich von der FH Vorschläge für eine Neugestaltung machen", riet die Lützellindenerin dem Stadtrat.

Einstimmig befürwortete das Parlament den SPD-Antrag mit dem Auftrag an den Magistrat, er solle prüfen, ob an der Ecke Seltersweg/Westanlage ein zweiter Aufzug installiert werden kann. Bisher können Rollstuhlfahrer und andere Behinderte über den Lift an der Ecke Südanlage/Frankfurter Straße zwar bequem das Plateau erreichen, es aber nur über den Steg ins Warenhaus Karstadt verlassen. Außerhalb der Ladenöffnungszeiten ist diese Verbindung zwischen Seltersweg und Frankfurter Straße also gekappt.

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