Der Leiter der Klimafolgenforschungsstation in Linden, Prof. Christoph Müller (r.), erklärt Wissenschaftsministerin Angela Dorn (l.) und Umweltministerin Priska Hinz die Zusammensetzung der Luft. FOTO: SEG
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Der Leiter der Klimafolgenforschungsstation in Linden, Prof. Christoph Müller (r.), erklärt Wissenschaftsministerin Angela Dorn (l.) und Umweltministerin Priska Hinz die Zusammensetzung der Luft. FOTO: SEG

Einzigartige Klimaforschung

  • vonSebastian Schmidt
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Gießen/Linden(seg). Wissenschaftsministerin Angela Dorn hat das Langzeitprojekt der Umweltbeobachtungs- und Klimafolgenforschungsstation Linden (UKL) der Justus-Liebig-Universität gelobt. Zusammen mit Umweltministerin Priska Hinz ist sie am Donnerstag vor Ort gewesen, um sich die Anlagen erläutern zu lassen. Dorn erklärt: "Die Langzeitarbeit in Linden zum Klimawandel, einem Thema, das die ganze Welt bewegt, ist einzigartig." Schon seit 1998 wird in Linden die Auswirkung von Temperatur und CO2 auf Grünflächen untersucht.

Forschungsstation für jedes Ökosystem

Herausragende Forschung auf einem nachgefragten Fachgebiet zu machen, ist für Wissenschaftler eigentlich ein Grund zur Freude. Die UKL konnte sich im Juni sogar über eine Weiterförderung für die nächsten zehn Jahre freuen. Für Prof. Christoph Müller, Leiter der UKL, ist die Einzigartigkeit aber auch ein Problem. Der Experte erklärt, warum: "Unsere Klimaprognosen beruhen auf den Daten, die wir haben." Damit man effektive Maßnahmen gegen den Klimawandel ergreifen könne, müsse man möglichst viele Daten gewinnen. Deswegen sagt Müller: "Wir brauchen solche Forschungsstationen in jedem Ökosystem." Auch Universitätspräsident Prof. Joybrato Mukherjee hält das für sinnvoll. Mukherjee schlägt der Wissenschaftsministerin vor, dass man auf europäischer Ebene ein vernetztes Projekt etablieren könne. Aber er fügt an: "Dazu müsste dann aber auch die Finanzierung aus Europa kommen."

Prof. Thomas Schmid, Präsident des Hessischen Landesamts für Naturschutz, Umwelt und Geologie, versucht, den Anwesenden zu erklären, wie wichtig das Thema Klimawandel ist. Er sagt: "Wir hatten die Bankenkrise 2008 und jetzt die Corona-Krise. Diese Krisen gehen vorbei. Die Klimakrise wird aber nicht vorbeigehen." Das Problem der Gesellschaft sei, dass die Menschen keinen Sinn für Langzeitfolgen haben. Die Banken- und Corona-Krisen haben sich direkt bemerkbar gemacht. Die Klimakrise verlaufe langsamer und komme damit auch nur langsam bei den Menschen an. Schmid ergänzt: "Die Landwirte merken aber bereits, dass wir in das dritte Dürrejahr in Folge kommen." Er fordert ein rasches Umdenken der gesamten Gesellschaft. Wenn man sich anstrenge, könne man das Klimaziel von zwei Grad erreichen. Aber dazu sei noch einiges nötig: "Wenn wir so weitermachen wie bisher, dann schaffen wir das nicht." Auch Müller nutzt die Gelegenheit, den beiden Politikerinnen zu erklären, dass mehr geschehen müsse. Er hat einen Zeitungsartikel von 1995 ausgedruckt und an der Forschungsstation ausgelegt.

CO2 schon vor 25 Jahren ein Thema

Damals war Angela Merkel noch Umweltministerin unter Helmut Kohl - und der Bericht handelt von einer Klimakonferenz der Vereinten Nationen (COP 1), in der es um die Reduktion der CO2-Emissionen ging. Müller sagt: "Man kann in dem Text die Namen und Jahreszahlen ändern und könnte ihn genauso heute wieder drucken. Was hat sich in den 25 Jahren eigentlich getan?" Hinz erwidert darauf: "Ein wenig hat sich schon geändert."

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