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Auch am Freitag wurde für Radspuren am Anlagenring demonstriert, hier bei der Anfahrt in der Bahnhofstraße.

Entscheidung steht bevor

Anlagenring: Einzelhandel in Gießen nennt Verkehrsversuch „politisch verantwortungslos“

  • Burkhard Möller
    VonBurkhard Möller
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Der Einzelhandel in Gießen macht gegen den Verkehrsversuch am Anlagenring mobil und spricht von einem »politisch verantwortungslosen« Vorhaben. Dafür haben am Freitag wieder Radfahrer demonstriert.

Gießen – Wenige Tage vor der Entscheidung des Stadtparlaments über die Durchführung eines Verkehrsversuchs mit Rad- und Busspuren am innerstädtischen Anlagenring wird der Gegenwind stärker. In ganzseitigen Anzeigen in den Gießener Tageszeitungen (Seite 27) wird der Verkehrsversuch vom organisierten Einzelhandel als ein »politisch verantwortungsloses« und »übers Knie gebrochene« Vorhaben kritisiert und abgelehnt.

Die Vorsitzenden der vier BID-Vereine, des Vereins Gießen aktiv, des Neuenweg-Vereins sowie das Centermanagement der Galerie Neustädter Tor sprechen von einem »vorprogrammierten Chaos«. Eine mindestens einjährige Sperrung der beiden inneren Spuren des Anlagenrings werde dem coronagebeutelten stationären Einzelhandel »den Rest« geben, heißt es in der Anzeige.

Einzelhandel in Gießen macht gegen Verkehrsversuch mobil

Die Unterzeichner sprechen sich ausdrücklich für eine Verkehrsberuhigung innerhalb des Anlagenrings, für mehr Aufenthaltsqualität und bessere Bedingungen für Radfahrer und Fußgänger sowie einen Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs aus. Den Verkehrsversuch lehnen die Einzelhandelsvertreter aber als übereilt ab und verweisen auf den Gießener Verkehrsentwicklungsplan, dessen Erstellung beschleunigt und dessen Ergebnisse abgewartet werden sollten.

Im Moment gebe es für viele Pendler noch keine Alternative zum Auto; Gießen sei »keine Metropolregion« mit einer weit ins Umland reichenden Nahverkehrsinfrastruktur. Gleichzeitig lebten viele Branchen des Innenstadthandels zu 80 Prozent von Kunden aus einem »weiten Einzugsgebiet«.

Gießen: Fahrradfahrer demonstrieren in der Innenstadt

Beantragt wird der Verkehrsversuch, der auf einem Bürgerantrag basiert, von SPD und Grünen, die von der Gießener Linken und wohl auch der Fraktionsgemeinschaft Bürgerliste/Piratenpartei unterstützt werden. Dagegen sind CDU, AfD, Freie Wähler und die FDP. Die Mehrheit für den Versuch ist knapp. Insofern ist es pikant, dass mit Andreas Walldorf, dem Vorsitzenden des BID Katharinenviertels, ein SPD-Stadtverordneter zu den Unterzeichnern gehört. Allerdings bleiben in der Coronazeit ohnehin immer etliche Parlamentarier den Sitzungen vorsichtshalber fern.

Derweil haben am Freitagnachmittag wieder Vertreter der Gießener Verkehrswende-Initiativen, die den Bürgerantrag gestellt hatten, für Radspuren am Anlagenring demonstriert. Bei einer Demo durch die Innenstadt radelten etwa 180 Personen mit. Mitinitiator Till Hentschel sagte: »Am nächsten Donnerstag entscheidet sich für uns alles.« (mö)

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