Einweisung in Psychiatrie steht an

  • vonConstantin Hoppe
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Gießen(con). Gefährliche Körperverletzung und besonders schwerer Raub, dazu Beleidigungen und sexuelle Belästigung - die Vorwürfe gegen einen 42-jährigen Mann aus Gießen wiegen schwer, mit einer Freiheitsstrafe muss der Angeklagte aber nicht rechnen: Denn alle Taten soll der heute 42-Jährige im Zustand der Schuldunfähigkeit begangen haben. Er leidet an einer paranoid-schizophrenen Persönlichkeitsstörung, wegen der er schon mehrfach in stationärer Behandlung war - auch im Gerichtssaal wurden ihm die Handschellen nicht abgenommen. Die letzten Jahre hat der Mann immer nur kurze Zeit zwischen Freiheitsstrafen und stationären Aufenthalten in Freiheit verbracht. Auch beim aktuellen Prozess geht es erneut um eine Einweisung in die Psychiatrie.

Zum Start des Verfahrens stand alleine die Darstellung des Angeklagten im Mittelpunkt, und das war auch nötig: Seine Einlassungen waren verwirrend und weit ausschweifend und verlangten dem Vorsitzenden Richter Heiko Söhnel - er hat nicht zum ersten Mal mit dem Angeklagten zu tun - und allen anderen Prozessbeteiligten einiges an Arbeit ab, um sie in einen sinnvollen Zusammenhang zu bringen.

Vorwürfe nur zum Teil eingeräumt

Am 26. Januar 2016 überfiel der heute 42-Jährige einen Patienten auf dem Gelände der Gießener Universitätsklinik: Hier sprach er den Geschädigten an und fragte nach Zigaretten und Kleingeld. Als dieser sagte, er hab keine Münzen, nur mehrere 50-Euro-Scheine, griff der Angeklagte in seine Tasche, zog einen kleinen, hölzernen Baseballschläger hervor und schlug dem Mann damit auf den Kopf. Danach packte er das Portemonnaie und rannte davon.

Diese Vorwürfe gab der Mann vor Gericht vollumfänglich zu: "Ich habe geplant, jemanden zu überfallen und dazu stehe ich auch", sagte er. "Ich war gerade auf Entzug und habe mir von dem Geld dann Heroin gekauft." Die weiteren Vorfälle bestritt er. "Das ist alles erlogen", sagte er vor Gericht.

Am 15. Januar kam es zu einem Zwischenfall zwischen dem Mann und einer Frau vor einer Bäckerei in der Nähe des Berliner Platzes: Hier sprach er die Frau an, ob sie gerade mit ihrem Handy ein Foto von ihm gemacht habe. Als diese verneinte, soll er der Frau mit der Faust ins Gesicht geschlagen und sie beleidigt haben. Als diese mit ihrem Handy die Polizei rief, versuchte der 42-Jährige, ihr dieses zu entreißen. Hier gab er zwar die Beleidigungen zu - diese seien gegenseitig erfolgt - nicht jedoch die Schläge oder den versuchten Raub des Telefons: "Das hätte ich dort niemals versucht - da gibt es Kameras, und ich wäre gefilmt worden."

Am 1. November 2019 kam es zu einem weiteren Zwischenfall, und zwar im Seltersweg: Hier brach ein Streit zwischen dem Angeklagten und einer Frau aus, in dessen Folge er diese beleidigt haben soll. Danach soll er sie von hinten gepackt und ihr in den Schritt gefasst haben.

Auch diesen Vorwürfen widersprach der 42-Jährige vehement. "Wenn ich das doch getan hätte, dann kann ich mich nicht daran erinnern. Und dann wäre ich auch ein Schwein."

Der Strafprozess am Landgericht wird fortgesetzt.

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