Wort zum Sonntag

Einsamkeit

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In der Corona-Epoche ist es vielen Menschen besonders bewusst geworden, was Einsamkeit bedeutet. Das gilt nicht nur für Personen in Alten- und Pflegeheimen, sondern oft auch für jüngere und junge Menschen. Einsamkeit hat es im Übrigen nicht immer mit der Abwesenheit von menschlichen Kontaktmöglichkeiten zu tun. Nein, man kann sich auch in einer Menschenmenge einsam fühlen.

Weil Einsamkeit auch eine grundsätzliche menschliche Erfahrung ist, lebt eine mächtige Vergnügungsindustrie von der Zerstreuung dieser unangenehmen Befindlichkeit.

Was ist oft die tiefere Ursache von Empfindungen der Einsamkeit? Könnte die Antwort darauf auch biologisch-theologisch sein, dass nämlich im menschlichen Gehirn Rezeptoren (Sinnesorgane) für die übersinnliche Aktivierung angelegt sind, die einen Beziehungsmangel anzeigen, wenn sie nicht aktiviert werden? Wenn das zutreffend sein sollte, wäre dann die Suche nach einer Gottesbeziehung nichts anderes als naturgegeben, und somit erfolgversprechend? Das würde schlüssig erklären, warum sich nur wenige Menschen als Agnostiker (Leugner jeder Übersinnlichkeit) bekennen?

Aus christlicher Sicht führt zu der logischen Annahme, dass engagierter Agnostizismus womöglich die Form einer (manchmal) inbrünstigen Religiosität -mit umgekehrten Vorzeichen -annimmt. In diesem Sinn hat jedenfalls der wohl bedeutendste Kirchenvater der Antike, Aurelios Augustinus, nicht nur theologisch, sondern auch biologisch Recht, wenn er ausführt »Gott; Du hast uns auf Dich hin geschaffen (mit Rezeptor), und unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in Dir.« Diese Aussage schließt unmittelbar an die Zusage Jesu in Matthäus 5 an: »Kommt zu mir, ihr alle, die ihr euch plagt und von eurer Last fast erdrückt werdet, ich werde euch Ruhe geben.«

Die Lebensgeschichte von Augustinus Aurelius begann mit der Einsicht seiner Schuldverflechtung und der Umkehr und zur Erfahrung des göttlichen Zuspruchs der vergebenden Gnade, aufgrund des Glaubens an Jesus.

Zahlreiche Christen bekennen, dass ihnen diese Glaubensgrundlage auch in schwierigen Situationen hilft, bedrückende Gefühle der Einsamkeit zu überwinden.

Ulrich Weyel

Freie ev. Gemeinde Gießen

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