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Nur einmal alle 101 Jahre

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In wenigen Tagen beginnt das Jahr 2020. Der Gießener Mathematiker Reiner Euler weiß über diese Jahreszahl, die wegen ihrer harmonischen Zahlenfolge eine symmetrische Schönheit ausstrahlt, eine Menge zu erzählen. Er verrät unter anderem, warum sparsame Menschen in diesem Jahr Ende Februar heiraten sollten und warum ein solches Jahr wie 2020 nur alle 101 Jahre vorkommt.

Die Jahreszahl sticht sofort ins Auge: 2020 - eine sich wiederholende Ziffernfolge. Das vordere Zweierpäckchen, das die Jahrhunderte zählt, stimmt mit dem hinteren Zweierpäckchen, das die Jahre im Jahrhundert zählt, überein. Viele Menschen finden diese Eigenschaft irgendwie schön - so wie auch Symmetrien schön sind. Jedes Jahrhundert hat genau ein solches Jahr, aber sein Vorkommnis ist seltener als ein ganzes Jahrhundert lang ist, denn zwischen zwei solchen Jahren (etwa 1818, 1919, 2020 und 2121) vergehen genau 101 Jahre.

Da die meisten Menschen nicht 101 Jahre alt werden, gibt es nur wenige Zeitgenossen, die auch schon 1919 auf der Welt waren und nun zum zweiten Mal ein solches Jahr erleben dürfen. Schätzungsweise 15000 Deutsche werden das schaffen, also etwa jeder 5000. Bürger. Ob es auch 1919 in Deutschland jemanden gab, der schon 1818 gelebt hat, ist nicht belegt - wenn überhaupt, dann höchstens eine Handvoll Menschen, denn selbst einige Jahrzehnte später - in den 50-er Jahren des letzten Jahrhunderts - lebten in Deutschland gerade mal hundert Hundertjährige.

Zerlegt man 2020 in seine Primfaktoren, so ergibt dies 2 x 2 x 5 x 101. Auch hier erscheint wieder die Zahl 101, die schon bei der vorigen Betrachtung auftauchte. Die Zahlenspielerei kann noch weitergetrieben werden: Alle Datumsangaben im neuen Jahr, die sich ausschließlich aus Nullen und Zweien zusammensetzen, ergeben zusammen mit der Jahreszahl lustige Schnapszahlen, also der 02.02., der 20.02. und der 22.02., wobei der 02.02.2020 - ein Sonntag - den Vogel abschießt. Dieses Datum liest sich von vorne genauso wie von hinten. So etwas nennt man ein Palindrom. Das letzte Datumspalindrom gab es übrigens am 21.02.2012.

Es gibt auch Wörter mit dieser Eigenschaft, z.B. Anna, Otto oder ganze Sätze wie "Erika feuert nur untreue Fakire". Der letzte Tag des Februars verdient jedes vierte Jahr seine besondere Aufmerksamkeit, da er den kürzesten Monat des Jahres ein bisschen länger macht.

Der 29. Februar fällt 2020 auf einen Samstag. Wer sich an diesem Tag das Ja-Wort gibt, spart in den Folgejahren viel Geld für Blumen zum Hochzeitstag.

Als Hochzeitstermine eignen sich sehr gut auch diese Samstage: 04.04.2020, 06.06.2020, 08.08.2020, 10.10.2020 und der 12.12.2020.

Die Neugeborenen des Schalttags 2020, die ja nur jedes vierte Jahr richtig Geburtstag feiern können, werden ausgerechnet auf ihren richtigen 20. Geburtstag extra lange warten müssen, denn sie können nach ihrer Geburtstagsfeier vom 29. Februar 2096 erst acht Jahre später, also im Jahr 2104, zum 20. Mal an einem 29. Februar feiern. Der Grund hierfür ist der Wegfall eines Schalttags im Jahre 2100.

In the year 2525...

Bei den vielen Jahreszahlen in dem berühmt gewordenen Hit "In the year 2525, if man ist still alive" von Denny Zager und Rick Evans aus dem Jahre 1968 liegt das selbe Grundmuster zugrunde wie beim Jahr 2020. Aber leider fängt das erste Jahr in dem visionären Text erst 505 Jahre nach 2020 an. Hätten die beiden Gitarristen vor 50 Jahren auch schon das Jahr 2020 mit in ihren Song aufgenommen, würde ihr legendäres Lied im nächsten Jahr bestimmt ein Revival erleben.

Es gibt auch interessante astronomische Zahlen für 2020 zu vermelden: Erstmals seit 1896 findet der Sommeranfang wieder an einem 20. (Juni) statt. Zwischen 1897 und 2019 war es immer der 21. oder 22. Juni gewesen. Am 21.12.2020 - einem einprägsamen Datum kurz vor Weihnachten - kommt es zu einer engen Begegnung von Jupiter und Saturn, den beiden größten Planeten unseres Sonnensystems, am Abendhimmel. Diese besondere Konstellation, die man auch große Konjunktion nennt, geschieht alle 20 Jahre, also zuletzt im Jahre 2000 und danach wieder in den Jahren 2040, 2060 und 2080. Eine Theorie besagt, dass der Stern von Bethlehem vor mehr als 2000 Jahren ebenfalls eine große Konjunktion gewesen sein soll. Schauen wir mal, was das erste Jahr der 2020er Jahre mit sich bringt. (Foto: pm)

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