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Frederik Bouffier (CDU), Frank-Tilo Becher (SPD), Alexander Wright (Die Grünen), Marco Rasch (Die Partei) und Thomas Dombrowksi (unabhängig) im Gespräch.

Einig gegen Antisemitismus

  • VonBarbara Czernek
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Gießen (bac). Nach der allgemeinen Themenrunde der Gießener Tageszeitungen am Samstagvormittag auf dem Kirchenplatz stellten sich die fünf OB-Kandidaten am Sonntagnachmittag einem spezielleren Fragenkomplex. Die Deutsch-Israelische Gesellschaft (DIG) und die Deutsch-Englische Gesellschaft (DEG) hatten zum Thema »Antisemitismus, Rassismus und Homophobie:

(K)ein Thema in der Universitätsstadt Gießen?« in das Stadttheater eingeladen.

Frederik Bouffier (CDU), Frank-Tilo Becher (SPD), Alexander Wright (Die Grünen), Marco Rasch und Thomas Dombrowksi (unabhängig) stellten sich den Fragen von Moderator Sacha Stawski, Präsident von Honestly Concerned. Die Diskussion war von großer Offenheit und persönlichen Statements geprägt. Der parteipolitische Hintergrund geriet völlig in den Hintergrund.

Alle gaben an, persönliche Kontakten zu Juden zu haben. Dass es auch hierzulande Antisemitismus gebe, stand für die Kandidaten ebenfalls außer Frage. Er müsse bekämpft werden. Zudem stellten sich die Bewerber ausnahmslos hinter das Existenzrecht des Staats Israel. Die jüdische Gemeinde müsse finanziell unterstützt und auch geschützt werden.

Betrübt äußerten sie sich darüber, dass oftmals nicht zwischen dem Staat Israel und der jüdischen Bevölkerung in Deutschland unterschieden werde, dass es Anti-Israelische Kundgebungen sogar vor Synagogen gebe. Hier müsse mehr Aufklärungsarbeit geleistet werden. Alle Kandidaten (mit Ausnahme von Dombrowksi) konnten sich vorstellen, eine Bannmeile auch um die hiesige Synagoge zu verhängen, um antisemitische Äußerungen dort erst gar nicht zuzulassen.

Erinnerungskultur pflegen

Einen breiten Raum nahm die Erinnerungskultur ein. Alle sagten, dass man eine neue Form finden müsse, da es zum Beispiel Zeitzeugengespräche bald nicht mehr geben werde. Becher hofft, dass man in naher Zukunft wieder die interreligiösen Stadt-Spaziergänge veranstalten könne, um einander besser kennen und verstehen zu lernen. Wright regte an, dass man mehr über die jüdischen Feiertage lernen müsse. Denn durch den Krieg sei viel Wissen zerstört worden. Bouffier fasste zusammen, dass man die Geschichte erlebbar machen müsse. Und Rasch verwies darauf, dass unsere heutige Kultur nicht ohne das jüdische Leben möglich sei. Hierzu regte Dombrowksi an, dass man den Platz vor der Kongresshalle neu gestalten solle. Dort gehöre ein Modell der Synagoge hin, die dort einmal stand. Der DIG-Vorsitzende Joachim Fontana regte an, dass man am Bahnhof eine Erinnerungstafel für die aus Gießen deportierten Menschen anbringen solle.

Zum Ende der Veranstaltung - nach einem Hinweis aus dem Publikum, dass das Thema Homophonie nicht behandelt worden war - äußerten sich alle Kandidaten dahingehend, dass sie jede Art der Homophobie ebenso wie Antisemitismus und Rassismus bekämpfen würden, wenn es ihnen begegnet.

Stadttheater-Intendantin Cathérine Miville hat das Foyer für die Diskussionsrunde gerne zur Verfügung gestellt, da der Diskurs vor Wahlen sehr wichtig sei, solange alle Parteien daran beteiligt würden. Abschließend wünschte sie sich, dass der jetzt wieder in Gang gekommene Dialog mit der jüdischen Gemeinde fortgesetzt und intensiviert werde. In diesem Zusammenhang erinnerte sie an vergangene Projekte und regte eine Wiederbelebung an.

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