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Das Lahnfenster bietet ungewöhnliche Perspektiven auf den Fluss.

Einhorn in Sonne, Barsch im Trüben

  • Christine Steines
    VonChristine Steines
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Gießen (cg). Oben scheint die Sonne. Fabelhafte Tretbootwesen wie Einhorn und Drache schippern über die Lahn, unten ist es trübe. Der Uralt-Spruch: »Wie Sie sehen, sehen Sie nichts«, fällt einem unwillkürlich ein. Doch je länger man in diesem U-Boot der besonderen Art sitzt und durchs Lahnfenster in den Fluss schaut, desto mehr entdeckt man.

Am Fischaufstieg stemmt sich eine kleine Barbe gegen die Strömung. Scheinbar hat sie sich in eine Ecke manövriert und kommt nicht wieder heraus. Oder sieht das nur so aus? »Die vertilgt die Algen, die sich an den Steinen gebildet haben, alles in Ordnung«, klärt der junge Mann auf, der an diesem Sonntagnachmittag Dienst hat.

Ein Schwarm winziger Fische

Während früher manchmal große Gruppen die kleine Fischbeobachtungs-Station am Lahnufer bevölkerten, ist es derzeit ruhig hier. Das mag daran liegen, dass man coronabedingt ein Ticket buchen muss, vielleicht ist aber auch der wegen einer Baustelle seit Ostern gesperrte Steg über das Klinkelsche Wehr die Ursache. Das Lahnfenster wirkt derzeit deshalb ein bisschen ab- gehängt. Vor dem Fenster schwimmen Äste und Pflanzenteile träge vorüber. Ein Schwarm winzig kleiner Fischchen mit bläulich schimmerndem Leib blinkt in dem braunen Wasser auf.

In der Info-Vitrine kann man sich anschauen, wer - meist unerkannt - in der Lahn unterwegs ist: Aale, Hechte, Ukeleien, Äschen, Nasen, Döbel, Karpfen und vieles mehr. Die Modelle sehen aus wie Nachbildungen aus Kunststoff, sie sind aber echt, ein Präparator hat sie gefertigt.

»Da!«, unwillkürlich schnellt der Zeigefinger vor und deutet auf zwei mittelgroße Fische mit orangefarbenem Schwanz und ebensolchen Flossen. Mit dem soeben erworbenen Fachwissen ruft die Besucherin: »Flussbarsche, ganz klar!«. Die Fische widersprechen nicht und verschwinden stumm aus dem Blickfeld.

»Mal ein anderer Blickwinkel auf die Lahn. Ein unvergleichliches Erlebnis«, hat jemand ins Gästebuch geschrieben. »Fische sind lecker«, wurde von einem anderen despektierlich ergänzt.

Am Ausgang darf man sich einen Fischpass mitnehmen, den hat die Obere Fischereibehörde des RP spendiert. Wenn man all seine Entdeckungen in dieses Sammelheftchen einträgt und meldet, kann man eine Überraschung gewinnen. Eine Barbe, ein Schwarm Mini-Fischlein, zwei Flussbarsche, ob das schon reicht? Das Heftchen wandert vorsorglich in die Hosentasche.

Beim nächsten Besuch schwimmen betimmt meterlange Aale und kiloschwere Hechte vorbei.

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