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Samuel de Haas, Pächter der Fliegerklause in Lützellinden, ist vorbereitet auf die Öffnung seiner Gaststätte. FOTO: SCHEPP

Eingeschränkt gesellig

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Ab heute dürfen auch in Gießen Restaurants die Türen wieder für ihre Gäste öffnen. Heimische Gastwirte sind vorsichtig optimistisch. Aber nicht alle wollen mitmachen.

Die nächsten Lockerungsübungen in Corona-Zeiten machen nach den Einzelhandelsgeschäften und den Schulen ab morgen die Gastronomien. Sie dürfen jetzt nicht nur ihr Essen ausliefern oder vor Ort zum Mitnehmen verkaufen. Sie dürfen auch wieder Gäste empfangen. Gießener Gastronomen blicken vorsichtig optimistisch auf die Öffnung ihrer Restaurants. Aber nicht alle Inhaber wollen ihre Türen aufschließen.

In einem Restaurant essen zu gehen, hat viel mit Geselligkeit und Leichtigkeit zu tun. Mit den Verordnungen der Landesregierung müssen Gäste, Inhaber und Personal eines Restaurants von Gewohnheiten Abschied nehmen. Mal abgesehen von den üblichen Hygienekonzepten müssen Service und Küchenpersonal zum Beispiel Masken tragen. Jeder Kunde muss seine Kontaktdaten angeben - falls Infektionsketten nachverfolgt werden müssen. Auch ist das Abstandhalten weiterhin Pflicht. Was für die Gastronomen bedeutet, dass sie laut Landesregierung für einen Gast fünf Quadratmeter vorhalten müssen.

Gut für die, die ohnehin viel Platz haben. Dazu gehört Markus Urich, der zusammen mit Eyyup Kaya das Restaurant am Schiffenberg gepachtet hat. "Wir haben den großen Rittersaal, eine große Terrasse und den Kiosk, der bereits seit drei Wochen geöffnet ist", sagt er. Insgesamt könnten sie 30 bis 40 Gäste bewirten. Zusätzlich soll es im Kiosk kleine Speisen zum Mitnehmen geben.

Koch mit Maske

Auch Samuel de Haas von der Fliegerklause in Lützellinden hat Platz - und bereits jetzt viele Reservierungen. Eigentlich wollte er nach seinem Umzug aus Kleinlinden bereits im April öffnen. Aber Corona hatte ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht. "Am Freitag sind wir ausgebucht", sagt er. Maximal kann er 65 Gäste im Biergarten und im großen Saal aufnehmen. Ein weiterer Vorteil: Die Gäste können über getrennte Ein- und Ausgänge das Restaurant betreten und wieder verlassen. Was Urich und de Haas mehr umtreibt, ist die Maskenpflicht. De Haas fragt sich, wie sein Küchenpersonal dies umsetzen soll - wenn der Koch zum Beispiel die Speisen abschmecken muss. Dass die Servicekräfte die Gäste nicht anlächeln können, kann er sich ebenfalls nur schwer vorstellen. Für Urich hängt die Maskenfrage auch mit Kosten zusammen. Damit seine Köche über mehrere Stunden mit Schutz arbeiten können, reichten keine selbst genähten Masken aus, betont er.

Es wird sich viel ändern: Salz- und Pfefferstreuer stehen nicht auf dem Tisch. Die Speisekarten sind neu gestaltet und laminiert oder wie in der Fliegerklause aus Einwegmaterial, aber dafür mit QR-Code. In Kleinlinden hatte de Haas zusätzlich zum Restaurantbetrieb auch viele Gäste, die am Tresen ein Bier getrunken haben. "Oft sind es Witwer gewesen", erzählt er. "Das ist nun nicht möglich." Außerdem müssten sich Besucher darauf einstellen, dass ein Gericht auch mal ausverkauft sei.

Solidarische Kunden

De Haas sagt, sein Team und er seien froh, dass es losgeht. Gleichzeitig gebe es aber die Sorge, dass die Politik mit der Öffnung der Gastronomien ein wenig Druck vom Kessel nehmen wolle. "Was ist, wenn es wieder losgeht und wir erneut schließen müssen?"

Nicht öffnen, aber weiterhin Speisen liefern oder zum Mitnehmen anbieten wollen Maria Niggel und Ingo Hofmann von Noams Deli an der Katharinengasse. Als die Einschränkungen des öffentlichen Lebens begannen, brach auch bei ihnen das Geschäft auf der Terrasse ein. "Aber wir haben solidarische Stammkunden, die das Essen weiterhin abholen." Zwar verzeichnet das kleine Restaurant weniger Kunden als zuvor. Wer aber bestellt, kaufe mehr. "Das trägt uns", sagt Hofmann. Er betont, das Esserlebnis vor Ort sei nicht mit den von der Landesregierung gefassten Verordnungen vereinbar. "Wir haben nicht nur eine Verantwortung für gutes, gesundes und nachhaltiges Essen", sagt Hofmann, "sondern auch für die Menschen."

Vorübergehend dicht gemacht hatte Kurtulus Vural sein Restaurant Aspendos am Alten Steinbacher Weg. "Es war eine intensive Zeit mit der Familie", sagt er. Aber auch eine Zeit, in der er in der Gaststätte und dem Biergarten Kleinigkeiten auf Vordermann bringen konnte. Einen Gästeansturm erwartet er heute nicht. Aber darum geht es wohl auch nicht. Es geht um ein Zeichen: "Es wird Zeit, dass es weitergeht."

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