Ein Mitarbeiter am Karlsruher Institut für Technologie zeigt, wie Radonmessungen durchgeführt werden. FOTO: DPA
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Ein Mitarbeiter am Karlsruher Institut für Technologie zeigt, wie Radonmessungen durchgeführt werden. FOTO: DPA

Eine unsichtbare Gefahr

  • Burkhard Bräuning
    vonBurkhard Bräuning
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Es hat sich herumgesprochen, dass alles, was radioaktiv ist, für den Menschen gefährlich sein kann. Spätestens seit Tschernobyl kennt ein großer Teil der Bevölkerung Begriffe wie Uran, Strahlung, spaltbare Elemente. Radioaktivität kommt aber auch in unserer natürlichen Umwelt vor - vor allem durch Radon in unserer Atemluft. Die davon ausgehenden Gesundheitsgefahren sollte man nicht unterschätzen, sagt Professor Joachim Breckow von der Technischen Hochschule Mittelhessen. Am 22. September wird dort das Hessische Radonzentrum eröffnet.

Herr Breckow, was genau ist Radon?

Radon ist ein natürliches radioaktives Edelgas, das uns ständig und überall in unserer ganz normalen Luft umgibt und das wir bei jedem Atemzug ein- und ausatmen.

Kann man Radon sehen, riechen oder schmecken?

Nein, das trifft aber genauso für viele andere krebserregende Stoffe zu. Aber Radon kann man zumindest messen.

Schon 2005 berichten Medien: Dem aus dem Erdboden entweichenden Radon sind allein in Deutschland jährlich rund 2000 Todesfälle durch Lungenkrebs zuzuschreiben. In den Ländern der Europäischen Union dürfte dieses radioaktive Gas etwa 11 000 Menschenleben im Jahr fordern. Das hatte aber offenbar keine Konsequenzen - oder doch?

Doch, sogar ziemlich weitreichende. Sowohl in der EU als auch in Deutschland gibt es seit einigen Jahren gesetzliche Regelungen zum Schutz vor Radon. Man möchte den Schutz vor natürlicher Radioaktivität dem vor künstlich erzeugter gleichstellen. Schließlich ist der Biologie unseres Körpers egal, woher die Radioaktivität kommt.

Das Gesundheitsrisiko durch das radioaktive Gas Radon etwa in Wohnungen ist aus Sicht des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) in Deutschland bis heute nicht ausreichend bekannt. Warum wird die Bevölkerung nicht informiert?

Es wird viel Aufwand betrieben, dies zu ändern. Es gibt sowohl für Deutschland vom BfS als auch für Hessen vom Umweltministerium umfangreiche Initiativen zur Information der Bevölkerung. In den nächsten Tagen wird an der THM das Hessische Radonzentrum (HeRaZ) eröffnet, zu dessen Aufgaben gerade diese Bürgerinformation gehört.

Radon gilt als zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs. Das Gas kann durch Kellerwände in Häuser eindringen. Was kann man denn dagegen tun?

Bei Neubauten sind bauliche Maßnahmen, die das verhindern können, recht einfach und billig. Bei Altbauten ist das schon schwieriger. Im Alltag hilft gutes Lüften.

Gibt es Unternehmen, die man als Privatmann mit Messungen beauftragen kann - und was kostet das?

Ja, die gibt es, wenn auch noch recht wenige. Da die Messmethoden unterschiedlich sind, sind es auch die Preise. Wir reden aber so über vielleicht 100 Euro pro Messung. Näheres kann man über das HeRaZ erfahren.

Wie groß ist denn nun eigentlich das Radonrisiko?

Nicht ganz einfach zu beantworten. Das Risiko pro Jahr, durch Radon in einer durchschnittlichen Wohnung an Krebs zu erkranken, ist etwa so groß wie das von fünf Röntgenaufnahmen. Oder, wenn Sie es etwas drastischer haben wollen: So groß, wie das Leben in den evakuierten Regionen in Fukushima in drei Monaten. Interessant ist aber auch, dass das Radonrisiko für Raucher etwa 25-mal größer ist als für Nichtraucher. Und draußen etwa dreimal geringer als in Wohnräumen - aber wer will schon ganzjährig ausschließlich draußen sein.

Bis Ende 2020 müssen die Bundesländer Gebiete ausweisen, in denen in vielen Gebäuden der Referenzwert von 300 Becquerel pro Kubikmeter überschritten wird. Dort soll dann etwa an Arbeitsplätzen im Erd- oder Kellergeschoss das Messen Pflicht sein. Wer organisiert - und vor allem: Wer zahlt das?

Noch sind diese Gebiete nicht ausgewiesen. Man weiß also noch nicht, ob man betroffen ist. Wenn dies aber in naher Zukunft geschehen ist, wird es eine breite Informationsinitiative in Hessen - über das HeRaZ - dazu geben. Bezahlen muss es jeder betroffene Arbeitgeber selbst.

Das BfS hat auf seiner Website eine Karte mit Prognosen des Radonpotenzials. Wie sieht es in Hessen aus?

Das sind bisher nur vorläufige Karten. Die Daten zu präziseren Karten, auf deren Grundlage die Radonvorsorgegebiete ausgewiesen werden, wurden für Hessen durch unser Institut erhoben. Man kann schon sagen, dass es Gebiete mit erhöhten Radonwerten eher in Südhessen im Odenwald und vielleicht in einigen wenigen Gebieten in Nordhessen gibt. Hessen liegt sonst etwa im deutschlandweiten Mittel.

Wo in Deutschland ist die Belastung hoch?

Das sind vor allem Gebiete im Erzgebirge Thüringens und Sachsens und im Bayerischen Wald.

Radon kann Lungenkrebs verursachen, wird aber auch bei Heilkuren verwandt. Wie erklärt sich dieser Widerspruch?

Das ist gar kein Widerspruch. Radon kann tatsächlich auch schmerzlindernde und entzündungshemmende Wirkung haben, gerade bei rheumatischen Erkrankungen. Das damit verbundene Lungenkrebsrisiko ist wirklich klein. Wenn ich Rheuma hätte, käme für mich eine solche Kur durchaus infrage.

"Radonanwendungen zu Wellnesszwecken sind nicht zu empfehlen", schreibt das BfS. Da fragt man sich: Wer macht denn überhaupt so was?

Das kann ich Ihnen leider auch nicht sagen.

Was genau übernimmt die THM in Sachen Radon für eine Aufgabe?

Am 22. September wird das HeRaZ durch die Hessische Umweltministerin Hinz an der THM eröffnet. Wie schon erwähnt, soll das HeRaZ über Radon und die damit verbundenen Risiken informieren, Fakten und Informationen zu geeigneten Gegenmaßnahmen zur Verfügung stellen und alle Arbeiten, die in Hessen zu diesem Thema durchgeführt werden, koordinieren und zusammenführen. Die Kompetenzen, die es an unserem Institut gibt, können dabei sicher hilfreich sein.

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