Balu alias Ann-Christine Bromm begeistert die Passanten im Seltersweg. FOTO: CSK
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Balu alias Ann-Christine Bromm begeistert die Passanten im Seltersweg. FOTO: CSK

Eine singt und alle strahlen

  • vonChristian Schneebeck
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Gießen(csk). Mit Musik fällt alles leichter. Wobei das Leben im Seltersweg am Samstagnachmittag ohnehin nicht besonders schwer ist. Für einen noch weiter gesteigerten Wohlfühlfaktor sorgt Balu alias Ann-Christine Bromm. Vier je halbstündige kleine Livekonzerte spielt die Gießener Musikerin inmitten des Einkaufstrubels. Die Aktion ist von den BIDs und der Stadtmarketing GmbH initiiert worden und gehört zu der soeben präsentierten Imagekampagne für die Fußgängerzone.

Wollte man das Geschehen auf einen Begriff bringen, wäre es das Strahlen. Denn irgendwie strahlen alle die ganze Zeit: die fast ausnahmslos begeisterten Passanten, die spätsommerlich spendierfreudige Sonne - und natürlich die Künstlerin selbst.

Dabei sind die Zeiten auch für Balu nicht einfach. Bis auf einen Auftritt Anfang Dezember seien alle anderen coronabedingt abgesagt worden, erzählt sie. Seit Monaten standen deshalb Onlineformate und das Tüfteln an neuen Songs im Mittelpunkt. "Umso mehr freue ich mich, mal wieder Menschen zu sehen, während ich spiele", sagt sie. Begleitet von Stadtmarketing-Mitarbeiter Kevin Gröschler arbeitet sie sich den Seltersweg hoch. Vom Kugelbrunnen geht’s bis zur Löwengasse, mit zwei Zwischenstopps. Nur eines darf unterwegs nicht passieren: dass zu viele Menschen stehen bleiben und sich Ansammlungen bilden. "Dann müssten wir den Auftritt abbrechen", erklärt Gröschler.

So weit kommt es nicht. Die Abstände halten. Weil auf Höhe der Plockstraße gerade eine andere Musikerin sitzt, ziehen Bromm und Gröschler zunächst in die Löwengasse. Auch dort macht Balu ihren Zuhörern Laune. "Tolle Stimme", schwärmt etwa Luca Philipp, nachdem er ein paar Münzen in den Gitarrenkoffer geworfen hat. Die ersten songs hat er am Vormittag von seinem Wohnungsfenster aus verfolgt. Künstler seien momentan arm dran, glaubt der junge Mann. "Und wenn jemand dermaßen gut singt, unterstütze ich ihn gern."

Dass Balu zuletzt auf der Straße musiziert hat, ist Jahre her. Mittlerweile hat sie drei Alben veröffentlicht und sich überregional einen Namen gemacht. Das jüngste Werk ("Ich muss gar nichts") verkauft sie am Samstag als "Krisen-Angebot" - für zehn Euro.

Ob populärer Hit oder originäre Kreation, beides überzeugt ohne Probleme. Peter und Hildegard-Hedwig Swoboda nutzen die Gelegenheit für einen Musikwunsch. Weil der Ober-Mörlener aber nicht auf den Namen kommt, spielt Balu "Hurt" von Johnny Cash. Die Swobodas, die regelmäßig zum Shoppen nach Gießen fahren, verabschieden sich mehr als zufrieden. Auch Balu strahlt, als sie gegen 16.30 Uhr in der Fußgängerzone ihre Sachen packt. "Schön", resümiert sie den Tag im Seltersweg. "Schön war’s." Und wie!

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