Wort zum Sonntag

Wie eine Schnecke

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Seit Mitte März lebten wir zurückgezogen. Jeder sollte so weit wie möglich zu Hause bleiben. Den einen ist es leicht gefallen. Anderen machte es zu schaffen. Wir gingen auf Distanz und versuchten gleichzeitig, mit anderen im Kontakt zu bleiben. Ein Balanceakt. Vielen ist er gut gelungen.

Jetzt sind die Schutzbestimmungen gelockert. Unter Beachtung der Schutzmaßnahmen dürfen wieder Gottesdienste gefeiert werden. Sogar Reisen ins Ausland sind wieder möglich. Hurra! Nichts wie raus!? Ich spüre, dass ich zögere. Wie eine Schnecke komme ich langsam und vorsichtig aus meinem Haus. Ich strecke tastend meine Fühler aus. Kann ich noch ein bisschen weitergehen oder ist das schon gefährlich? Wie eine Schnecke zucke ich manchmal zurück und wage mich dann vorsichtig wieder vor.

Einerseits ist das gut. Dieses Verhalten schützt mich. Andererseits bin ich von mir selbst genervt und wünsche mir, unbekümmerter sein zu können.

Wie geht es Ihnen mit den gelockerten Schutzbestimmungen? Nutzen Sie freudig die Möglichkeiten oder sind Sie auch eher zurückhaltend? Ich spüre, ich bin hin- und hergerissen. Das Bild von der Schnecke beschäftigt mich. Ich sehe sie vor mir. Sie streckt ihre Fühler aus und kriecht los. Vorsichtig ist sie unterwegs und kommt dabei voran. Das gefällt mir. Ich will meine Möglichkeiten nutzen und dabei vorsichtig sein. Ich will auch in Zukunft andere und mich schützen und trotzdem vorankommen.

Mir fällt dazu ein Lied ein. "Du verwandelst meine Trauer in Freude. Du verwandelst meine Ängste in Mut. Du verwandelst meine Sorgen in Zuversicht. Guter Gott! Du verwandelst mich." Ich stelle mir vor, während ich vorsichtig unterwegs bin, begleitet mich Gott und ich erlebe, wie sich etwas in mir verändert. Ich werde mutiger, zuversichtlicher und bin mit mehr Freude unterwegs - zurück ins Leben.

Christine Specht

Pfarrerin in Allendorf/Lahn

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