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Professor Stephan Becker, Direktor des Instituts für Virologie an der Philipps-Universität Marburg.

Coronavirus

Corona: Virologe aus Marburg mildert Sorgen vor Delta-Variante - „Nicht so dramatisch, wie oft dargestellt“

  • Daniel Beise
    VonDaniel Beise
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Seitdem in England das Wachstum der Corona-Fallzahlen wieder steigt, macht sich auch hierzulande Sorge vor der Delta-Variante breit. Nicht nötig, sagt ein Virologe aus Marburg.

Gießen – »Je länger wir in der Pandemie sind, je mehr Impfstoffe entstehen, desto mehr wird mir klar, dass wir die Wissenschaft um Impfstoffe sehr wenig verstanden haben.« Das sagte der Marburger Virologe Stephan Becker am Mittwoch zu Beginn seines Vortrags im Rahmen des Akademischen Festaktes des Fachbereichs Medizin an der Justus-Liebig-Universität.

Gleichwohl stimmten seine Erkenntnisse optimistisch und gaben interessante Antworten auf aktuelle Fragen rund um Covid-Impfstoffe. Die Zahlen mit aktuell weltweit 180 Millionen Fällen und 3,8 Millionen Toten seien natürlich sehr hoch, aber wir hätten inzwischen auch 900 Millionen verabreichte Impfstoffe. »Was ein hoffnungsvolles Zeichen ist«, unterstrich der Leiter des Instituts für Virologie an der Philipps-Universität Marburg.

Corona: Schnelle Impfstoffentwicklung laut Virologe aus Marburg „eine Revolution“

Drei grundlegende Fragen behandelte Becker im Vortrag: Wie hat die Pandemie die Impfstoff-Landschaft verändert? Das ließe sich am besten an der »enormen Geschwindigkeit« darstellen. Normalerweise vergehen bis zu 15 Jahre, bis ein Impfstoff samt aller vorherigen Schritte zugelassen wird: Entwicklung, Tierversuche, klinische Phasen (bis zu sechs Jahre), Genehmigung und Produktion. Diese Schritte wurden in enger Zusammenarbeit stark parallelisiert, sodass es nur zehn Monate von der Entdeckung des neuen Coronavirus im Januar 2020 bis zur Entwicklung und Herstellung des neuartigen mNRA-Impfstoffs dauerte.

»Das war wirklich unvorstellbar, das war eine Revolution«, betonte der Forscher. Gerade dieses Tempo verunsichert nach wie vor viele und lässt einschlägige Stellen immer wieder betonen, dass das Verfahren sicher eingehalten wurde; die Vakzine wurden sogar an mehr Probanden getestet als üblich.

Virologe aus Marburg: Impfstoffe schützen grundsätzlich auch vor Varianten Alpha und Delta

Die nächsten zentralen Fragen: Müssen die Impfstoffe verbessert werden und sollten sie überhaupt gemischt werden?

Nicht allein wegen der milden Nebenwirkungen, sondern vor allem wegen der neuen Virusvarianten müsse man die Stoffe weiterentwickeln. Die indische (Delta-) und britische (Alpha-) Variante würde Impfstoffe zwar schlechter erkennen, aber gleichwohl einen guten Schutz mit Antikörpern bilden. »Das ist nicht so dramatisch, wie das in der Öffentlichkeit oft dargestellt wird«, betonte Becker. Beim Mischen verschiedener Vakzine - etwa die Erstimpfung mit Astrazeneca und die zweite mit Biontech - habe sich gezeigt, dass das sogar einen »Boost« des Impfschutzes auslösen kann. Das Mischen sei überhaupt ein neuer Ansatz in der Forschung.

Nicht zuletzt hätte die Krise gezeigt, dass die Kooperation von Firmen entscheidend für den Erfolg bei der Entwicklung von innovativen Impfstoffen war. (bei)

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