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Eine neue Sammlung aus der Erde geholt

  • Christoph Hoffmann
    vonChristoph Hoffmann
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Gießen(chh). Die meisten Sammlungen der Justus-Liebig-Universität wurden vor vielen Jahren angelegt. Sie geben somit heute noch Einblicke in die Vergangenheit. Es gibt aber auch eine Sammlung der JLU, die gerade erst entsteht - und trotzdem Objekte beinhaltet, die älter sind als die Stücke aus den meisten anderen Sammlungen.

Buddeln im Frost

Vor zwei Jahren wurde an einem kalten Dezembertag auf einem Feld bei Inheiden der Grundstein für eine temporäre Lehrsammlung gelegt: Studierende des Institutes für Altertumswissenschaften sammelten während einer Feldbegehung im Bereich der Römerkastelle am nördlichen Wet- teraulimes zahlreiche Tonscherben von einem Acker. Die Studierenden waren gemeinsam mit ihrer Dozentin Dr. Julia Koch einer Initiative des Hessischen Landesamts für Denkmalpflege in Wiesbaden gefolgt. Die Relikte waren durch einen Pflug an die Oberfläche gelangt. "Um die Bodenfunde vor dem Winterfrost zu schützen, war zügiges Handeln gefordert. Die Studierenden nahmen diese Herausforderung an, indem sie auch an kalten Wintertagen den Acker achtsam nach archäologischen Siedlungsfunden absuchten", erzählt Koch. Nach mehreren Feldbegehungen im November und Dezember 2018 war im Frühjahr 2019 der Grundstein für die neue temporäre Sammlung an der Professur für Klassische Archäologie gelegt. Die Studierenden begannen daraufhin umgehend mit der Inventarisierung.

Aktuell erforschen die Gießener Archäologie-Studierenden sowohl die Datierung der römischen Tonscherben als auch deren Herkunft, sagt Dozentin Koch. "So lassen sich die Scherben des feinen römischen Tafelgeschirrs - der Terra Sigillata - anhand ihres Gefäßdekors verschiedenen Töpfern bzw. Töpfermanufakturen im Rhein- und auch Moselgebiet bis nach Gallien zuweisen." Die Bestimmung von Importgütern offenbare dabei zahlreiche interessante wirtschaftliche Verbindungen der militärischen Besatzung der Römerkastelle an der obergermanischen Limesgrenze ins römische Reichsgebiet.

Bald im Museum

Darüber hinaus erhoffen sich die Studierenden Hinweise auf die zeitliche Nutzung der Römerkastelle, die im Zuge der Grenzsicherung gegen das freie Germanien in der nördlichen Wetterau erstmals unter dem römischen Kaiser Domitian in den 90er Jahren des 1. Jahrhunderts angelegt wurden. "Und schließlich geraten auch die römischen Bilderwelten der Reliefsigillaten in den Blick der jungen Forscher, die etwa am Nachbarkastell Alteburg-Arnsburg einen bewaffneten Krieger im Brustpanzer entdecken", sagt Koch.

Was die Studenten alles entdeckt haben, können die Gießener Bürger im Frühjahr selbst bewundern. Dann sollten die Funde als Teil der Archäologie-Sonderausstellung im Oberhessischen Museum ausgestellt werden.

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