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»Eine lebendige Innenstadt braucht Orte zum Verweilen«

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Von: Christine Steines

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Astrid Reinhardt (l.) im Gespräch mit GAZ-Redakteurin Christine Steines. © Oliver Schepp

Auf Bänken kommt man ins Gespräch, das hat sich in der Pandemie gezeigt. Um zu erfahren, was die Gießener bewegt, verabreden sich GAZ-Redakteure in den Sommerferien mit netten Menschen zum Schwätzchen. Die heutige »Kandidatin« ist Astrid Reinhardt (62).

Sagen Sie mal, Frau Reinhardt, was nervt Sie derzeit in der Stadt?

Astrid Reinhardt ist sich in diesem Punkt mit vielen Gießenern einig: Der Müll, der insbesondere nach den Wochenenden in den Grünanlagen herumliegt, ist ein echtes Ärgernis. Vor allem, weil es keine einfachen Lösungen gibt. Ihr liegt es fern, die Moralkeule zu schwingen und mit erhobenem Zeigefinger auf Leute zu zeigen, die gerne feiern. Aber sie kann nicht verstehen, warum die Abfälle einfach zurückgelassen werden. Letztlich sei es auch eine Sache der Erziehung. Schlechte oder nicht vorhandene Vorbilder sorgten dafür, dass sich die Verursacher einfach »nicht zuständig« fühlten. »Es fehlt an Bewusstsein«.

Und was gefällt Ihnen aktuell besonders gut?

Ein klarer Fall: Die Graffiti! Die bunten Kunstwerke seien eine echte Bereicherung für das Stadtbild, findet Astrid Reinhardt. Eines ihrer Lieblingsmotive ist das Frauenbildnis in der Weidengasse, aber es gefallen ihr noch viele weitere. Ihr Mann Wolfram, der gerne und gut fotografiert, hat sogar einen Kalender zusammengestellt, in dem sich unter anderem Bilder des Künstlerkollektivs 3-Steps finden..

Wen wollten Sie immer schon mal loben?

Diese Frage findet die 62-Jährige einfach und schwierig zugleich. Denn in ihren Augen gibt es viele Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen ein dickes Lob verdient hätten. Wir entscheiden uns für eine kleine Auswahl: Die Künstler, die es im Lockdown so schwer hatten und die so viele kreative Ideen entwickelt haben; das ehrenamtliche Team des Senioren Journals, das nun schon seit so vielen Jahren so gut und so gerne zusammenarbeitet; und allen voran alle Pflegekräfte, die immer wieder über ihre Grenzen gehen. »Ich habe großen Respekt vor deren Leistung«, sagt sie.

Was würden Sie als erstes in Angriff nehmen, wenn Sie Oberbürgermeisterin wären?

»OB Reinhardt« würde dafür sorgen, dass der geplante Verkehrsversuch noch einmal überdacht wird. Die Einspurigkeit des Anlagenrings erscheint ihr keine ideale Lösung zu sein - weil sich der Verkehr stauen wird, und nicht zuletzt, weil es für Radler riskant sei, sich neben den Bussen behaupten zu müssen.

Bitte beenden Sie folgenden Satz: »Für Gießen wünsche ich mir… ... dass die Innenstadt lebendig bleibt und vielleicht noch ein bisschen attraktiver wird.« Sie sollte ein guter Ort zum Einkaufen und zum Verweilen sein. Gerade habe sich der Bereich vor den Wasserspielen am Modehaus Köhler sehr schön entwickelt: »Die Menschen sitzen in den Cafés und schauen den spielenden Kindern zu, diese Atmosphäre wünsche ich mir öfter.« CG

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