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Marina Konrad gibt in der »Brücke« der Diakonie ihre selbstgekochte Lasagne an Wohnungslose aus.

Ehrenamtsserie im Sommer

»Eine Herzensangelegenheit« - Marina Konrad hilft Wohnungslosen

  • Daniel Beise
    VonDaniel Beise
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Die »Brücke« des Diakonischen Werks Gießen besteht nun schon seit 28 Jahren. Marina Konrad und ihre Tochter helfen seit vergangenem Jahr einmal pro Woche. Die Sozialarbeiterinnen sind »unglaublich dankbar« dafür.

Am Montagvormittag diese Woche herrscht ganz schön Trubel in der Dammstraße 4. Viele Gespräche, hin- und herhuschende Menschen, zwei Handwerker sind zugange. Doch die Sozialarbeiterinnen und Ehrenamtlichen in der »Brücke« sind das augenscheinlich gewöhnt. Die »Brücke« ist die Wohnungslosenhilfe des Diakonischen Werks Gießen. Marina Konrad war bereits zu den Anfängen der Einrichtung vor 28 Jahren als ehrenamtliche Helferin dort aktiv. »Damals allerdings nicht im direkten Kontakt mit den Besuchern«, sagt sie. Und auch nicht kontinuierlich bis heute. Sie zog ihre Tochter Daria alleine groß und arbeitete. Viel Zeit blieb da nicht.

Seit die 22-Jährige Daria studiert, ist mehr Luft und Muße für anderes. »Wir haben schon länger überlegt, zusammen etwas Ehrenamtliches zu machen«, erzählt die 47-Jährige, während sie die Lasagne zubereitet. Die »Brücke« war da naheliegend. Seit vergangenem Jahr hilft die Mutter montags vier Stunden, die Tochter donnerstags - weil die Hilfe sinnvoll aufgeteilt werden soll.

»Wir hatten anfangs schon Berührungsängste und uns gefragt: Wie wird dieser enge Kontakt mit den Besuchern sein?« räumt Konrad ein. »Doch wir waren nur positiv überrascht, und die Hilfe gibt uns beiden so viel zurück. Alle sind sehr freundlich und dankbar«, betont sie. Natürlich könne es auch mal laut werden unter den Besuchern; oder sie müssten mal jemanden auf später vertrösten wegen des Platzmangels. Das aber sei Alltag. So kommt just in diesem Moment ein bekannter Wohnungsloser zur Küche und beschwert sich, er sei in den vergangenen Tagen sehr oft weggeschickt worden - im Gegensatz zu anderen. »Wir klären das gleich«, sagt Diplom-Sozialpädagogin Gertrud Monninger-Wolff ruhig. »Die Ehrenamtlichen sind solche Schätze. Wir sind ihnen unglaublich dankbar«, betont Monninger-Wolff. Erst mit der Corona-Krise sei die Ehrenamtstätigkeit auch im Tagesgeschäft bei ihnen richtig durchgestartet; zuvor sei sie sporadisch gewesen.

»Ohne das Ehrenamt würde in Deutschland ja so einiges nicht laufen«, weiß auch Konrad. Für sie fühle sich das nicht wie Arbeit an. »Das ist eine Herzensangelegenheit.« Sie habe immer ein offenes Ohr - zum Beispiel für eine Besucherin an diesem Vormittag, die davon erzählt, dass sie gerade eine neue Wohnung von der Wohnbau bekommen habe, aufgrund ihrer chronischen Schmerzen aber Hilfe beim Umzug brauche. Auch für Personen in schwierigen Wohnverhältnissen ist die »Brücke« eine Unterstützung. Konrad aber grenzt sich klar ab von ausgebildeten Sozialarbeitern. Bei schwierigen Fragen verweist sie an die Kolleginnen. Sie hilft nicht nur beim Kochen, sondern auch bei der Postausgabe oder beim Desinfizieren der Dusche.

Wie auch bei den Angestellten der Diakonie steht ein Wunsch bei ihr ganz oben: »Mehr Platz, um auch mal gemeinsam mit den Besuchern kochen zu können.« Die gebürtige Gießenerin arbeitet als Prokuristin in einer Unternehmensberatung und beliefert zudem als Selbstständige Firmen und Berater mit Schulungsunterlagen. Vor gut 50 Jahren kamen ihre Eltern als Gastarbeiter aus Kroatien nach Deutschland. Doch sie sei »echte Schlammbeiserin«, wie ihre Mutter sagt.

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