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Mariona Mateu Carles, Georg Staudacher, Jacopo Sabina und Sophia Schambeck (v. l.) spielen auf dem Schiffenberg.

Eine Fülle feiner Zwischentöne

  • VonSascha Jouini
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Gießen (jou). Nach achtmonatiger Corona-Pause konnte der Meisterkonzertverein wieder ein Konzert veranstalten. Auch für das Ensemble Caladrius, das, unterstützt vom Deutschen Musikrat, am Sonntag auf dem Schiffenberg musizierte, war es der erste Auftritt nach längerer Zeit. Der starke Start der Basilika-Konzerte lässt hoffen, dass die beiden Matineen im Juli ebenso regen Publikumszuspruch finden.

In mehrfacher Hinsicht schien das Konzert interessant: Da war zum einen die heute seltene Besetzung mit Blockflöte, Lauteninstrumenten, Violone und Cembalo. Die Barock- und Renaissance-Kompositionen, die Sophia Schambeck, Jakopo Sabina, Mariona Mateu Carles und Georg Staudacher spielten, verströmten im mittelalterlichen Saal besonderen Charme. Zudem widmete sich das unter anderem beim internationalen Händel-Wettbewerb Göttingen 2019 ausgezeichnete Ensemble einem spannenden Thema: Es nahm die Hörer mit auf eine Zeitreise rund um musikalische Duelle zwischen Virtuosen. Unterhaltsam moderiert, erinnerten die jungen Künstler an den Wettstreit zwischen Francesco Maria Veracini, der seinen Konkurrenten Johann Georg Pisendel in Dresden auf der Violine herausforderte. Bei der Sonate c-Moll von Pisendel ließ das eröffnende Adagio durch harmonisches Zusammenspiel aufhorchen. Den ruhigen Sätzen gegenüber standen zwei Allegros, bei denen fein dosierte Betonungen für rhythmische Beschwingtheit sorgten. Auch begeisterte der sensible wie elegante Vortrag bei Veracinis Sonate Nr. 1 F-Dur. Da taten sich prägnante Kontraste auf zwischen beschaulichen Largos und mitreißenden schnellen Sätzen.

In dem knappen, aber gehaltvollen Programm leistete sich das Ensemble keine Schwächen, bestach durch geistige Spontaneität und genaues Timing. Fantasievoll bearbeiteten die Musiker etwa ein Madrigal von Andrea Gabrieli, bei dem Flötistin Schambeck in den Vordergrund rückte und der Melodie mit weicher Tongebung intime Nuancen abgewann.

Weniger als duellhafte Begegnung, sondern eher als fruchtbare Freundschaft erwies sich der Kontakt zwischen Sylvius Leopold Weiss und Johann Sebastian Bach, der eine Sonate des Lautenisten für Cembalo und Violine arrangierte, vom Ensemble zum Quartett ergänzt. Auch hier ließen die in der historischen Aufführungspraxis geschulten Künstler die musikalische Anmut und Natürlichkeit für sich sprechen. Bis zum Schluss des Programms, in Sonaten von Georg Friedrich Händel und Domenico Scarlatti, faszinierte die Fülle feiner Zwischentöne.

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