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Eine ansehnliche Sammlung

  • vonDagmar Klein
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Ein studentisches Projektseminar hat sich mit künstlerischen Positionen am Institut für Kunstpädagogik aus der Sammlung von Gerd Steinmüller auseinandergesetzt. Das Ergebnis ist als Ausstellung im KiZ zu sehen.

Die Lehre an der Universität muss mit den Folgen des Corona-Lockdowns irgendwie klarkommen. Wie schwierig es war, ein Projektseminar mit dem Ziel der Präsentation einer Kunstsammlung durchzuführen, davon kann Dr. Gerd Steinmüller, Kunsthistoriker und Akademischer Rat am Institut für Kunstpädagogik (IfK), anschaulich berichten. "Die Studierenden waren hoch motiviert und haben alles selbst organisiert", sagt er voll des Lobes bei der Vorbesichtigung.

Steinmüllers Abschied vom IfK

"Künstlerische Positionen am IfK seit 1980" haben die 20 Studierenden und ihr Seminarleiter Steinmüller die Ausstellung genannt. Die Schau wurde bereits unter der vorherigen Kulturamtsleiterin Simone Maiwald gefasst, die dafür gesorgt hat, dass das IfK und seine Gastprofessoren regelmäßig im städtischen Ausstellungsraum KiZ vertreten sind. Diese Sammlung sollte passgenau zu den letzten Arbeitswochen von Steinmüller am IfK gezeigt werden. Die vorwiegend zweidimensionalen und kleinformatigen Arbeiten waren häufig Schenkungen an seine Frau Anne Steinmüller, die bis 2009 Institutssekretärin war. Viele sind daher mit Widmungen versehen. Andere Werke hat Gerd Steinmüller bei verschiedenen Anlässen erworben, darunter auch eine Zeichnung von Gerhard Hoehme, dem einzigen Künstler, der nicht am IfK, sondern am Institut für Kunstgeschichte lehrte. "Die Zeichnung entstand während eines Vortrags", erzählt Steinmüller, der im Übrigen voller Geschichten zu den Bildern und ihrer Entstehung steckt. Es sind Arbeiten von festen Mitarbeitern, angefangen bei Professoren der Anfangsjahre wie Sepp Thiele und Axel von Criegern bis zu den aktuellen Carl Buschkühle und Johanna Staniczek. Ebenfalls vertreten sind Werkstattleiter wie Sylvia Matzke und Jörg Wagner. Zahlreiche regionale und überregionale Künstler wirkten in den zurückliegenden 40 Jahren als Seminarleiter am IfK. Auch wenn die Ausstellung dies nicht komplett spiegelt, bietet das Gezeigte dennoch einen Eindruck von der Vielfalt: die Fotografen Walter Flögel und Thomas Kellner, der Cartoonist F. K. Waechter, die Druckspezialisten Günther Herrmann (Mehrfarbdruck), Philipp Hennevogl (Linolschnitt) und Jette Flügge, die Maler Eckhard Kremers und Stanislaw Fijalkowski, und die Spezialistin für Zeichnung Lucie Beppler.

Künstlerische Gastprofessuren

Ein bisschen vermisst man die Bildhauer, aber für dreidimensionale Werke braucht es eben Platz, der einem Fachwerkhaus nicht zur Verfügung steht, erklärt Steinmüller. Die Mini-Holzskulpturen von Marc Fritzsche wirken wie ein ironischer Kommentar auf diese Situation. Von Stefan Pietryga, der damals mit seinen blauen Pappeln ein überregionales Kunst-Statement setzte, sind mit schnellem Strich gezeichnete Figürchen des Alltags zu sehen. Und Peter Telljohann begann erst nach seiner Zeit am Gießener Institut dreidimensional zu arbeiten, erinnert sich Steinmüller. Das Geschenk an Anne Steinmüller war der Anfangsimpuls dazu.

Dann ist da noch die Einrichtung der künstlerischen Gastprofessur 1982, die für ein kunstpädagogisches Ausbildungsinstitut eine Neuheit darstellte. Anfangs fand der Wechsel nach einem Jahr statt, mit Einrichtung der Bachelor-Studiengänge 2008 wurden die Gäste in die Prüfungen miteinbezogen und blieben daher zwei Jahre. Die komplette Namensliste ist auf der Institutshomepage nachzulesen.

Wenn diese Ausstellung eines klarmacht, dann das große Versäumnis des Instituts, nicht von Anfang beispielhafte Werke aller dort künstlerisch tätigen Lehrenden zu sammeln. Da hätte die Universität Gießen mittlerweile eine ansehnliche Sammlung vorzuweisen. "Es war bei der Gastprofessur durchaus daran gedacht, aber es hätte sich jemand kümmern müssen", bedauert Steinmüller. So verlaufen gute Ideen im Sand.

Für die aktuelle Ausstellung gab es verschiedene Möglichkeiten der Präsentation. Die Studierenden entschieden sich für eine chronologische Abfolge der Exponate, das heißt in der Reihenfolge des Auftretens ihrer Urheber am IfK. Dazu kommt in der Ausstellung ein Zeitstrahl und im Katalog ein Text zur Institutsgeschichte.

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