Clubs dürfen unter strengen Regeln wieder öffnen. Doch Partys und Konzerte wie hier im Scarabeé 2015 wird es in Gießen so schnell nicht geben. Für die Betreiber lohnt es sich nicht. ARCHIVFOTO: DUH
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Clubs dürfen unter strengen Regeln wieder öffnen. Doch Partys und Konzerte wie hier im Scarabeé 2015 wird es in Gießen so schnell nicht geben. Für die Betreiber lohnt es sich nicht. (Archivfoto)

Gießener Clubs

„Eine absolute Farce“: Gießener Club-Betreiber kritisieren neue Corona-Regeln scharf

  • Daniel Beise
    VonDaniel Beise
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Eigentlich dürfen Clubs nun wieder öffnen. Gießener Betreiber aber sagen: Unter diesen Umständen lohnt sich das nicht. Und sie kritisieren die Regeln scharf.

Gießen – Es sind besonders strenge Corona-Auflagen, die Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Bündnis90/Die Grünen) diese Woche für die Wiederöffnung von Clubs und Konzertstätten verlautbart hat: Neben Geimpften und Genesenen dürfen nur jene mit einem teuren, negativen PCR-Test in Innenräumen feiern gehen. Zudem müssen Betreiber pro Gast fünf Quadratmeter Platz vorsehen und es gilt eine Maskenpflicht.

Seit gestern gilt die neue hessische Verordnung - die allerdings nur wenige Clubbesitzer im Land dazu bewegen dürfte, schnell wieder zu öffnen. »Es würde mich wundern, wenn auch nur ein einziger Club in Hessen so spontan seine Türen für eine Tanzveranstaltung öffnet«, sagt Ulenspiegel-Inhaber Tobias Bach. »Im Landkreis Gießen bedarf es einer mindestens vierwöchigen Vorlaufzeit, in der das Gesundheitsamt den elfseitigen Antrag zur Öffnung bearbeitet und dann gegebenenfalls auch genehmigt«, erklärt Bach.

Clubbesitzer in Gießen kritisiert die neuen Corona-Regeln als „realitätsfern“ – Öffnung in weiter Ferne

Zu den vielen bürokratischen Hürden zählen unter anderem Auflagen wie Lageplan mit Standorten des Funktionspersonals, Hygienestationen und Standorte der Hygieneaushänge, Ein- und Auslasskonzept, Bestuhlungsplan, Zugang zu Sanitäranlagen und auch ein Außenflächenplan. Selbst wenn das alles abgesegnet ist, könnten sie nur 40 Gäste in den Ulenspiegel einlassen. »Das entspricht in etwa einer Auslastung von 15 Prozent und ist im Hinblick auf einen auch nur halbwegs wirtschaftlichen Betrieb eine absolute Farce«, kritisiert Bach und legt nach: »Die aktuelle Verordnung ist mutlos und realitätsfern und lässt die Eigenverantwortung der Menschen komplett außen vor.« Klar würden sie nur Geimpfte und Genesene einlassen - allerdings nur »ohne Masken auf der Tanzfläche« und ohne weitere Einschränkungen bezüglich der Auslastung.

So kritisierte auch seine Geschäftspartnerin Britte Bach kürzlich im »Gießen-Podcast« von und mit Holger Klötzner die »Nicht-Kommunikation« seitens der Politik mit Clubbetreibern. Hier werde einfach verordnet »und das war’s oft«. Sie verwies außerdem darauf, dass das »Leben nun mal lebensgefährlich ist« und man Infektionen nicht komplett ausschließen könne. Hinsichtlich Maskenpflicht denke sie, dass das Risiko mit den drei Gs schon sehr gering sei.

Neue Corona-Regeln für Clubs in Gießen mit wirtschaftlichem Handeln nicht vereinbar

Das Virus wird nicht verschwinden. So viel ist klar. Und gerade diese Branche leidet indes am längsten unter einem »Quasi-Berufsverbot«. Auch Marian Radovcic, der mit Mirko Sonneborn, das Monkeys in der Liebigstraße betreibt, sagt: »Diese Regeln sind nicht vereinbar mit wirtschaftlichem Handeln. Ein Clubbetrieb lebt von Masse.« Sie müssten »leider noch warten«, bis sich die Rahmenbedingungen ändern. Nicht anders sieht es im Scarabeé oder im MuK aus. Die Gießener Kultdisco im Riegelpfad wird weiterhin vorerst nur als Kneipe offen bleiben, informiert Inhaberin Isabel Bojunga.

Nicht allein die erlaubte Auslastung der Räume einhergehend mit wenigen Besuchern (5-Quadratmeter-Regel) rechnet sich kaum. Insbesondere auch die Gebühren, die Inhaber an die Musik-Verwertungsgesellschaft GEMA zahlen müssen, würden nahezu die gesamten Eintrittsgelder in Anspruch nehmen, erklärt Markus Pfeil, Kulturarbeiter im nicht kommerziellen Musik- und Kunstverein. Diese berechnen sich nämlich nach der Publikumsfläche. So müssen sich auch MuK-Fans noch eine Weile gedulden müssen.

Ebenso die Großraumdisco Admiral Music Lounge, die ein gehobeneres Programm mit teureren Acts anbietet, wird vorerst dicht bleiben. »Wir müssten zwischen 50 und 100 Euro Eintritt nehmen, damit das rentabel ist«, sagt Markus Urich, der den Club zusammen mit Eyyup Kaya führt. Von normalerweise über 1000 Gästen an einem Abend müssten sie auf maximal 180 runtergehen - und gleichzeitig Mitarbeiter aus der Kurzarbeit holen und mehr Securitys einstellen. In Bezug auf die Delta-Variante betont das Duo noch, dass die Gefahr noch nicht vorüber sei und sie zudem Mitarbeiter wie Besucher nicht gefährden wollen.

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