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Sänger des Ensembles 1684 in der festlich geschmückten Bonifatiuskirche. FOTO: JOU

Eindrucksvolle Würdigung

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Gießen(jou), Wolfgang Schreier, der Vorsitzende des Förderkreises Neue Orgel, brachte es in seinen Schlussworten beim Weihnachtskonzert auf den Punkt, als er anmerkte, in der Bonifatiuskirche sei des Öfteren auch selten aufgeführte Musik zu erleben. Im gut gefüllten Gotteshaus widmete sich das Ensemble 1684 am zweiten Weihnachtsfeiertag vornehmlich Johann Rosenmüller (1619 bis 1684), einem zu Unrecht in Vergessenheit geratenen Barockkomponisten.

Rosenmüller begann eine vielversprechende Karriere in Leipzig, siedelte dann nach Venedig über. Für den Musikforscher Andreas Jacob steht er beispielhaft "für die Verbindung von deutscher mit italienischer Musik im 17. Jahrhundert". So verknüpfe er stilbildend Elemente der Solokantate mit opernhaften wie instrumentalen italienischen Schreibweisen. Das Konzert lieferte eine eindrucksvolle Vorstellung davon.

Für einen weihevollernsten Auftakt sorgte Heinrich Schütz‹ doppelchörige Psalmvertonung "Lobe den Herren, meine Seele". Während manch anderen Chören die hallende Akustik Schwierigkeiten bereitet, gelang dem Leipziger Ensemble unter Leitung von Gregor Meyer an der Truhenorgel eine kristallklare Interpretation; vorzüglich die Textverständlichkeit.

In beschauliche Sphären führte Rosenmüllers andächtig-ruhige Komposition "Christus ist mein Leben". Solistisch hervortretende Gesangsstimmen unterstrichen die subjektive inhaltliche Dimension. Passagen mit vollem Choreinsatz wirkten wie eine Bekräftigung des Glaubensbekenntnisses.

Auch in auf zwei Soprane, einen Bass und Continuo-Begleitung reduzierter Besetzung vermochte der leidenschaftlich-beseelte Vortrag in "Ego te laudo" zu berühren. Den besonders hohen, bis hin zu dichten Koloraturen reichenden Anforderungen waren die virtuosen Sänger bei Rosenmüllers "Confitebor tibi, Domine" souverän gewachsen. Die Instrumentalisten erzeugten auch in weiteren Werken ein farbstarkes Fundament, abgerundet durch das warmtönige Fagott.

Reizvoll zu Tage trat dann bei der Trostmusik "Fürchte dich nicht" die enge motivisch-thematische Verflechtung von Chor- und Instrumentalpart. Im vielschichtigen Aufbau offenbarte sich Johann Rosenmüllers bestechend klare Tonsprache. Mit dem Wechsel von elegischen und motorisch bestimmten Passagen erwies sich dessen "Sonata duodecima" für Streicher und Basso continuo als besonders abwechslungsreich.

Zuversicht spendete nicht zuletzt Johann Schelles Kantate "Gott, sende dein Licht". Die menschliche Seele wird darin durch den Herrn auf dem richtigen Weg gehalten. Nach dem gemeinsamen Lied "O du fröhliche" klang das Konzert mit Rosenmüllers "Bleibe bei uns, denn es will Abend werden" aus. Für den lang anhaltenden Beifall dankte das Ensemble mit einer Zugabe.

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