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Regionalkantor Michael Gilles spielt auf der Eule-Orgel beim Gottesdienst zum Geburtstag der »Perle der Empore«.

Eindrucksvolle Orgelnacht

  • VonSascha Jouini
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Gießen (jou). Musik sei kein Beiwerk, sondern wichtiger Bestandteil des Gottesdienstes, sagte Pfarrer Hans-Joachim Wahl am Samstag beim Abendgottesdienst aus Anlass des sechsten Geburtstags der Eule-Orgel. Dies zeigte sich auch in diesem Rahmen, nicht nur bei den Liedern, sondern auch etwa beim erhebenden »Hallelujah« aus Georg Friedrich Händels Oratorium »Der Messias« in einer Orgelfassung oder der anmutigen Choralbearbeitung »Wohl mir, dass ich Jesum habe« aus Johann Sebastian Bachs Kantate »Herz und Mund und Tat und Leben«.

»Wir erleben in verdichteter Weise, wie Musik unser Herz berührt, uns tröstet und Hoffnung weckt«, führte Wahl weiter aus. Musik nahm denn auch zum Auftakt der Orgelnacht breiten Raum ein. Die Kantoren Cordula Scobel von der Christuskirche in Watzenborn-Steinberg, Christoph Koerber von der Johanneskirche und Michael Gilles von der Bonifatiuskirche bereicherten den Gottesdienst auf der Truhenorgel, Chororgel und großen Eule-Orgel, drei Instrumenten mit recht unterschiedlichen Klangfarben. So ergab sich in Bernardo Storaces »Ballo della Battaglia« ein reizvoller Dialog über große Distanzen des Saals. Besonders effektvoll geriet durch die instrumentale Auffächerung Bachs berühmte Toccata und Fuge d-Moll.

Im zweiten Teil der Nacht spielten junge Schüler von Gilles an der Eule-Orgel. Zu loben ist, wie einfühlsam Helena Schmitt bei der Introduktion aus Léon Boëllmanns »Suite Gothique« die expressive Stimmung zur Geltung brachte oder wie Jonathan Beyer einen Kontrast dazu mit der ruhigen Choralbearbeitung »Kommt her zu mir, spricht Gottes Sohn« von Dietrich Buxtehude herstellte, um nur zwei Beispiele zu nennen.

Danach war eine Premiere zu erleben: ein 30-minütiger Ausschnitt aus Petra Dahls bisher unveröffentlichtem, jetzt auf DVD erhältlichem Dokumentarfilm »Himmlischer Klang über Generationen«, in dem die Bautzener Orgelbaufirma Eule beim Bau der »Perle der Empore« begleitet wird. Die Dokumentation gibt eine Vorstellung davon, wie wichtig Teamgeist bei der Produktion ist, sind doch etwa für die Herstellung großer Pfeiffen mehrere Mitarbeiter erforderlich. Zudem zeigt der Film die Probemontage der Gießener Orgel in der Werkstatt und den Aufbau in der Bonifatiuskirche, bis hin zur klanglichen Feinabstimmung. Die feierliche Übergabe des Instruments im September 2015 war für die Orgelbauer Bestätigung und Erleichterung zugleich, erfuhren sie doch unmittelbar die positive Resonanz der Gemeinde. Seither reisen Musiker von weither an, um auf dem hervorragenden Instrument zu spielen.

Damals bereits mit dabei war Organist Prof. Thomas Lennartz aus Leipzig, der nun zum Ausklang der Nacht ein Improvisationskonzert bot. Die Hörer durften sich zuvor Lieblingsmelodien aus dem »Gotteslob« aussuchen, die Lennartz in seinen Improvisationen verarbeitete. Am meisten Staunen ließ seine Spontaneität bei der Fantasie über eine von den Hörern vorgegebene Tonfolge. Die Sonate mit rauschhaft virtuosen Ecksätzen, die ein Andante umrahmten, rundete die Nacht ab.

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