Arbeitnehmer, die im Jahr mehr als 410 Euro Kurzarbeitergeld erhalten, sind verpflichtet, eine Steuererklärung abzugeben. Das sollte man nicht vergessen, sonst kann es teuer werden, sagt Dominic Eser, Leiter der Lohnsteuerhilfe Gießen. FOTO: DPA
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Arbeitnehmer, die im Jahr mehr als 410 Euro Kurzarbeitergeld erhalten, sind verpflichtet, eine Steuererklärung abzugeben. Das sollte man nicht vergessen, sonst kann es teuer werden, sagt Dominic Eser, Leiter der Lohnsteuerhilfe Gießen. FOTO: DPA

Einbußen für Arbeitnehmer

Was viele nicht wissen: Kurzarbeitergeld wird zwar selbst nicht versteuert, aber es erhöht den Steuersatz. Dadurch kann es zu Nachzahlungen kommen, wie Fachmann Dominic Eser von der Lohnsteuerhilfe Gießen erklärt.

Sven Mustermann ist froh, dass er seine Arbeitsstelle nicht durch Corona verloren hat. Sein Arbeitgeber hatte 50 Prozent Kurzarbeit eingeführt, und Mustermann musste drei Monate mit einem geringeren Einkommen über die Runden kommen. Mit seiner nächsten Steuererklärung wird ein weiteres finanzielles Problem auf ihn zukommen, denn durch Kurzarbeitergeld (KUG) droht ihm eine Steuernachzahlung.

Mustermann ist natürlich keine echte Person, sondern ein Beispiel von Dominic Eser, dem Leiter der Lohnsteuerhilfe Gießen. Anhand dieses ausgedachten Angestellten erklärt er, worauf sich Arbeitnehmer gefasst machen müssen. "Das kann teilweise richtig knallen", sagt der Experte.

Kurzarbeitergeld fiktiv angerechnet

In seinem Beispiel ist Mustermann kinderlos und Single und verdient normalerweise 30 000 Euro brutto im Jahr. Von seinem Lohn werden jeden Monat Sozialabgaben und Steuern abgeführt. Wenn Mustermann am Ende eines Jahres eine Steuererklärung abgibt, schaut das Finanzamt in eine Tabelle. In der steht, bei wie viel Einkommen wie viel Prozent Steuern er hätte zahlen müssen - das ist sein Steuersatz. Der Steuersatz wird auf sein zu versteuerndes Einkommen angewandt und dann mit der Summe verglichen, die Mustermann schon jeden Monat gezahlt hat. In einem normalen Jahr wären das, mit den Steuersätzen von 2019 gerechnet, 3 529 Euro.

Diese Summe hat er aber schon das Jahr über jeden Monat abgezahlt. Er erhält vom Finanzamt also weder eine Rückzahlung, noch muss er eine Nachzahlung begleichen. Mit dem KUG kann sich seine Lage aber ändern.

Dabei hatte man Mustermann zu Beginn der Krise erzählt, dass das KUG steuerfrei sei. "Das ist auch richtig. Sie bekommen davon ›netto gleich brutto‹ ausgezahlt", sagt Eser. Das Problem der Steuernachzahlungen ergebe sich daraus, dass das KUG unter einem Progessionsvorbehalt stehe. Das bedeutet, dass es vom Finanzamt fiktiv zum zu versteuernden Einkommen hinzugerechnet werde, wenn es den Steuersatz ermittele. Man bezahlt also auf dieses Geld selbst keine Steuern, aber es kann den Prozentsatz erhöhen, mit dem das restliche Einkommen versteuert wird.

Genau das passiert Mustermann. Durch die Kurzarbeit beläuft sich sein zu versteuerndes Einkommen nach Abzug von Freibeträgen auf 20 937 Euro. Das Finanzamt ermittelt aber den Steuersatz so, als hätte er 22 221 Euro verdient. Dieser Unterschied führe bei ihm zu einem höheren Steuersatz, und in der Konsequenz werde er 182 Euro an Steuern nachzahlen müssen, rechnet Eser vor.

Steuererklärung für viele verpflichtend

Als größeres Problem sieht er für die meisten jedoch, dass sie nicht wissen, dass sie eine Steuererklärung machen müssen. "Sobald sie in einem Jahr mehr als 410 Euro Kurzarbeitergeld erhalten, müssen sie eine Steuererklärung einreichen", erklärt er. Wenn man das aber nicht mache, kann es noch teurer werden. Denn falls man eine Nachzahlung begleichen müsse, gebe es für jeden Monat, den man die Erklärung zu spät einreiche, einen Verspätungszuschlag von 25 Euro. "Die Finanzämter lassen sich mit dem Einfordern auch mal zwei bis drei Jahre Zeit", sagt Eser. Da werden aus 25 Euro schnell mehrere Hunderte Euros.

Gegen eine Nachzahlung können die Arbeitnehmer nichts machen, außer Geld beiseite zu legen. Der Fachmann rät aber: "Es ist wichtig, dass die Menschen wissen, dass sie eine Steuererklärung machen müssen und die auch fristgerecht einreichen." Für das Jahr 2020 habe man bis Ende Juli 2021 Zeit, und wenn man sich beraten lasse, wie durch die Lohnsteuerhilfe, sogar bis Ende Februar 2022.

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