Einbürgerungstest erlebte Gießener Premiere

Gießen (kw). Einer war so nervös, dass er schon am Vormittag vor der Tür stand: Er warte lieber hier, als ruhelos zu Hause zu sitzen, sagte der Mann. Wesentlich gelassener gab er dann am Nachmittag seinen Fragebogen ab.

Gießen (kw). Einer war so nervös, dass er schon am Vormittag vor der Tür stand: Er warte lieber hier, als ruhelos zu Hause zu sitzen, sagte der Mann. Wesentlich gelassener gab er dann am Nachmittag seinen Fragebogen ab. "Jeder ist erleichtert herausgekommen. Ich hoffe, alle haben bestanden", berichtete gestern Abend Birgit Lesch-König nach der Einbürgerungstest-Premiere bei der Volkshochschule der Stadt Gießen. Vermutlich werde die VHS nun alle acht bis neun Wochen einen Test-Termin anbieten, sagte die Sprachen-Fachbereichsleiterin im AZ-Gespräch.

14 Teilnehmer hatten sich zum allerersten Test angemeldet. Etwa die Hälfte von ihnen kam von außerhalb: Darunter waren Menschen aus Nachbarkreisen, in denen es bisher keine Einbürgerungstests gibt. Die andere Hälfte hatte sich bereits zuvor bei der Gießener VHS auf die Einbürgerung vorbereitet - etwa in Deutschkursen, dem Orientierungsangebot "45 Stunden Deutschland" oder dem neuen "Einbürgerungskurs", der eigens auf die Staatskunde-Prüfung vorbereitete, die seit September Pflicht ist.

Die 310 Fragen des Einbürgerungstests kann sich jeder im Internet ansehen. 33 davon muss man dann beantworten - welche, weiß zuvor niemand - und darf höchstens 16 Kreuzchen an der falschen Stelle machen. Bei Rundfragen mit den Test-Teilnehmern erfuhr Lesch-König gestern: Ohne Vorbereitung stellte sich keiner der schriftlichen Prüfung. Mancher hatte auf eigene Faust zu Hause gelernt - brauchte dann aber manchmal viel Zeit, etwa wenn er oder sie eine Formulierung nicht verstand. Was bedeutet "Legislative", was ist der Warschauer Pakt? Solche Fragen mussten die Selbstlerner aufwendig mit Blick in Lexika oder Fragen an Bekannte klären. Im Staatskunde-Kurs wurden solche Begriffe zügig und allgemeinverständlich erklärt. Ob jeder wirklich alle Fragen und Antworten bis ins Detail verstanden hat, bleibt offen. "Alle haben auswendig gelernt", so Lesch-Königs Eindruck.

Eine gute Stunde war für die Test-Premiere veranschlagt, die war dann aber gar nicht nötig: "Nach zwölf Minuten hat die erste Teilnehmerin ihre Bögen abgegeben", berichtet die Fachbereichsleiterin. Keiner habe länger gebraucht als 35 Minuten. Die Testunterlagen hatte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge vorbereitet, auch die Auswertung wird die Behörde übernehmen. Abschreiben war nicht möglich: Jeder der Teilnehmer bekam eine andere Auswahl aus den gut 300 möglichen Fragen. Auch wenn hinterher mancher mutmaßte, der Sitznachbar habe "leichtere" Aufgaben als man selbst bekommen: "Die meisten Teilnehmer sagten, sie hätten sich den Test schwerer vorgestellt", erzählt Lesch-König. Sollte dennoch jemand "durchgefallen" sein, so dürfte er den Test beliebig oft wiederholen - allerdings werden jedesmal 25 Euro Gebühr fällig.

Am 5. Dezember wird der nächste Einbürgerungstest angeboten, dafür gibt es bereits 13 Anmeldungen und nur noch wenige freie Plätze. Je nach Bedarf werde es dann immer wieder neue Termine geben, so Lesch-König: "Keiner muss Monate warten, und Gießener müssen auch keine langen Wege auf sich nehmen." Aus formalen Gründen sei allerdings eine Anmeldung mehrere Wochen vor dem Termin nötig.

Damit sie Deutsche werden können, müssen Ausländer nicht nur den Einbürgerungstest bestehen. Weiterhin schreibt das Zuwanderungsgesetz vor, dass sie auch eine Sprachprüfung bewältigen sowie Kenntnisse der Rechts- und Gesellschaftsordnung in Deutschland nachweisen müssen. Ausnahmen gelten für alle, die einen hiesigen Schulabschluss haben; auch Kranke, Behinderte, Kinder und Senioren werden unter bestimmten Voraussetzungen vom Test befreit.

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