Einbrecher verwechseln Wohnung

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"Schön liest sich der Bundeszentraltegisterauszug", stellte Dr. Klaus Bergmann in gespielter Anerkennung fest. Der Vorsitzende Richter der 9. Großen Strafkammer am Landgericht brachte damit sein Erstaunen darüber zum Ausdruck, wie viele Straftaten ein 29-Jähriger in seinem jungen Leben begehen konnte. Allerdings kann auch der 23-jährige Mitangeklagte mithalten. Auch er konnte eine ellenlange Liste an begangenen Straftaten vorweisen. Beide stehen seit Montag erneut vor Gericht. Ihnen wird vorgeworfen, am 8. Juni 2017 in eine Wohnung in der Gartenstraße eingedrungen zu sein bzw. zu dieser Tat angestiftet zu haben, um Geld, ersatzweise Drogen, zu entwenden. Beide räumen die Tat ein. Der ältere in Sevilla geborene Mann war wegen Anstiftung angeklagt, der jüngere aus Mogadischu stammende Täter wegen versuchten Raubes. Dabei ist durchaus vorstellbar, dass die Palette der begangenen Straftaten in diesem Fall noch vergrößert werden muss.

"Schön liest sich der Bundeszentraltegisterauszug", stellte Dr. Klaus Bergmann in gespielter Anerkennung fest. Der Vorsitzende Richter der 9. Großen Strafkammer am Landgericht brachte damit sein Erstaunen darüber zum Ausdruck, wie viele Straftaten ein 29-Jähriger in seinem jungen Leben begehen konnte. Allerdings kann auch der 23-jährige Mitangeklagte mithalten. Auch er konnte eine ellenlange Liste an begangenen Straftaten vorweisen. Beide stehen seit Montag erneut vor Gericht. Ihnen wird vorgeworfen, am 8. Juni 2017 in eine Wohnung in der Gartenstraße eingedrungen zu sein bzw. zu dieser Tat angestiftet zu haben, um Geld, ersatzweise Drogen, zu entwenden. Beide räumen die Tat ein. Der ältere in Sevilla geborene Mann war wegen Anstiftung angeklagt, der jüngere aus Mogadischu stammende Täter wegen versuchten Raubes. Dabei ist durchaus vorstellbar, dass die Palette der begangenen Straftaten in diesem Fall noch vergrößert werden muss.

Drogen und Geld vermutet

Allerdings haben die beiden dabei die "falsche" Wohnung erwischt, sind bei einer 71-jährigen Frau gelandet, die nicht im Ansatz mit Drogengeschäften zu tun hatte. Einer der Angeklagten sowie sein Mittäter forderten von der Frau bzw. ihrem Sohn Geld und/oder Drogen. Als die Seniorin versicherte, weder Geld, Drogen oder Sohn zu besitzen, wurde ungebetene Gast stutzig. "Ich habe ihr in die Augen gesehen und erkannt, sie sagt die Wahrheit", erklärte er und fügte zur Erläuterung an: "Das lernt man im Knast." Die Ausbildung zum lebenden Lügendetektor quasi als Zugabe zum Gefängnisaufenthalt? Eine interessante These.

Der Angeklagte war aber wohl nicht zu 100 Prozent überzeugt, denn er ließ sich weitere Räume zeigen und schwirrte erst dann mit seinem Komplizen ab. Eingestiegen waren die beiden verhinderten Räuber kurz nach Mitternacht durch ein gekipptes oder geöffnetes Fenster. Offensichtlich hatten sich Tippgeber und der Somalier missverstanden, denn der vermeintliche Dealer wohnte in der Wohnung nebenan. Der Anstifter hatte davon Wind bekommen, dass ein Geschäft mit Betäubungsmitteln vorgenommen werden sollte und folgerte: In der Wohnung befindet sich entweder Bargeld (zwischen 3000 und 5000 Euro) oder die entsprechende Menge an Drogen.

Noch geklärt werden muss, in welcher Form der Somalier gegenüber der Wohnungsinhaberin handgreiflich geworden ist, denn sie wurde, wie sie der Polizei gegenüber ausgesagt hatte, von dem Mann, der wie sein Mittäter Teile des Gesichtes mit einem Tuch verdeckt hatte, gegen eine Couch gedrückt. "Sie hat geschrien", berichtete der 23-Jährige, der dann gesagt haben will: "Bleiben Sie ruhig, dann geschieht Ihnen nichts."

Die Angeklagten, die die längste Zeit ihres Lebens in Deutschland verbrachten und daher (nahezu) perfekt Deutsch sprechen, standen zu der Tatzeit eigenen Angaben zufolge unter Drogen und sind nach wie vor miteinander befreundet. Doch nun haben sich ihre Wege getrennt. Während der Somalier, der in vorangegangenen Prozessen vor dem Landgericht unterschiedliche Geburtsdaten angegeben hatte, in der JVA Butzbach einsitzt und dort wegen Drogenkonsums die "rote Karte" erhalten hatte, bemüht sich der Spanier in der Vitos-Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Bad Emstal, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, ins bürgerliche Leben zurückzukehren. Vonseiten der Klinik erhielt er eine günstige Sozialprognose. Er befindet sich in einer festen Beziehung, weiß aber auch, dass die Sucht für ihn immer eine Gefahr darstellen wird. "Ich will mich ändern", verspricht er, und das klingt wie eine Kampfansage.

Bei Verhandlung unter Drogen?

So weit ist der Somalier nicht. Der 23-Jährige, der lange in Brandenburg gelebt und dort etliche Straftaten begangen hatte, wirkte vor Gericht locker, was Richter Dr. Bergmann veranlasste, ihn einen Tag später zu fragen, ob er unter Drogen gestanden habe, was der Angeklagte verneinte.

Nach dem ereignisreichen Montag folgte am Dienstag der Auftritt des zweiten Täters, eines 21-jährigen Syrers, der wegen dieses sowie anderer Delikte bereits von einer Jugendstrafkammer verurteilt worden war und in Weiterstadt einsitzt. Er war als Zeuge geladen und bestätigte im Wesentlichen die gemachten Aussagen. Wie auch der Somalier hatte er hin und wieder gravierende Gedächtnislücken, begründete dies mit Drogenkonsum. Auch er berichtete mehrfach von einem an der Lahn gelegenen Kleingarten in der Weststadt, in dem man sich immer wieder getroffen hatte, "um Party zu machen", zu feiern sowie Alkohol und Drogen zu sich zu nehmen. Ganz offensichtlich auch, um sich zu strafbaren Handlungen zu verabreden. Fortgesetzt werden soll der Prozess am 19. Februar.

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