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Ein Tag der Besinnung

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Gießen (pm). Der diesjährige Buß- und Bettag steht unter dem Eindruck des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine und der hohen Zahl von Geflüchteten, die angesichts von Krieg, Naturkatastrophen und lebensbedrohender Not versuchen, Europa zu erreichen. »Dieser Feiertag ist für evangelische Christen ein Tag der Besinnung und Neuorientierung im Leben«, sagt der Gießener Dekan, Pfarrer André Witte-Karp.

Der Gedenktag dient auch dem Nachdenken über individuelle und gesellschaftliche Konflikte und Probleme. »Die Diskussion über Waffenlieferungen an die Ukraine und über Wege zum Frieden wird auch in der evangelischen Kirche kontrovers diskutiert«, sagt Witte-Karp. Ein eindeutiges Richtig oder Falsch gebe es nicht.

Das wird auch in den heutigen Abendgottesdiensten deutlich werden. In Gießen wird um 19 Uhr mit der katholischen Kirche in die Johanneskirche und die St.-Thomas-Morus-Kirche eingeladen. Im Thomas-Gemeindezentrum wird bereits um 15 Uhr ein Gottesdienst gefeiert.

Der Buß- und Bettag war bis 1995 ein gesetzlich geschützter und damit arbeitsfreier Feiertag. Dann wurde sein arbeitsfreier Status - außer in Sachsen - als finanzieller Ausgleich für die Pflegeversicherung abgeschafft. Trotzdem wird er von den Kirchen mit Gottesdiensten, Konzerten und anderen Veranstaltungen gestaltet und erhalten.

Die evangelische Kirche sieht nach den Worten von Witte-Karp eine ihre Aufgaben darin, Menschen zu bewegen, sich in den Fragen der Zeit eine Meinung zu bilden und gesellschaftliche Kontroversen fair zu führen. »Deswegen laden wir am Samstag nach dem Buß- und Bettag zu zwei Kulturveranstaltungen zu den Themen Krieg und Frieden, Flucht und Asyl ein: In der Jungen Kirche gibt es eine szenische Darstellung von Gedichten der vor den Nazis geflüchteten jüdischen Lyrikerin Mascha Kaléko und in der Petruskirche eine klassische Bach-Kantate, die ergänzt wird um einen politischen Vortrag von Katrin Göring-Eckhardt.« Die Bundestagsvizepräsidentin und Synodale im Kirchenparlament der evangelischen Kirche hatte zuletzt erklärt, Pazifismus sei eine individuelle Haltung, die sich nicht auf Institutionen und Regierungen übertragen lasse.

Samstag, 19. November, 18 Uhr, Junge Kirche, Löberstr. 4: Chor-Zyklus »Wohin ich immer reise, ich fahr nach Nirgendland«, ein überregionales Vokalensemble singt unter Leitung von Mareike Hilbrig (Marburg). Die Komponistin Erna Woll hat darin Gedichte der jüdischen Dichterin Mascha Kaléko über Flucht und Heimatverlust vertont. In persönlichen Texten sprechen Menschen über Begegnungen zwischen Menschen auf der Flucht und Menschen ohne Fluchterfahrung

Samstag, 19. November, 19.30 Uhr, Petruskirche, Wartweg 9: »Musik und Politik«: J. S. Bach-Kantate »Ich hatte viel Bekümmernis« mit dem Main-Barockorchester und der Petruskantorei; sowie einem politischen Kommentar zum Krieg in der Ukraine von Göring-Eckardt. VVK: Kirchenladen und Abendkasse.

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