Mehrere Menschen sitzen in einem Biergarten.
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Der erste Tag mit geöffneter Außengastronomie: Ein Stück fast schon vergessene Normalität erleben die Menschen am Samstagnachmittag im Apfelbaum.

Corona-Lockerungen

Erster Tag mit geöffneter Außengastronomie: Volle Biergärten in Gießen

  • VonChristian Schneebeck
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Die Biergärten in Gießen sind voll. Was vor der Corona-Pandemie nicht der Rede wert gewesen wäre, sorgt am ersten Tag mit geöffneter Außengastronomie für Freude.

Gießen – Hier und da sitzt ein Griff mal nicht mehr ganz so sicher. Auch das Bedienen will eben gelernt sein. Als Cihan Aktas am Sonntagabend vor dem Geschmacksverkehr am Kugelbrunnen das Wochenende bilanziert, hat er sonst aber nur Positives zu berichten. Im Grunde reichen ihm dafür vier Worte. »Es war schon schön«, sagt der Restaurantmitarbeiter. Viel Zeit zum Plaudern bleibt gerade ohnehin nicht. Eine Kellnerin sucht das EC-Gerät, ein Gast bittet um die Rechnung und aus dem Lokal ruft jemand, die nächste Bestellung sei servierbereit. Kurz: Aktas hat alle Hände voll zu tun.

Selbstverständlich ist das längst nicht mehr. Ein halbes Jahr durfte die Gastronomie wegen der Corona-Pandemie keine Gäste empfangen - bis Samstag. Pünktlich zu Pfingsten wird die Bundesnotbremse gelöst. Außenbereiche können unter Auflagen öffnen, mit Test, Maske, Abstand und Dokumentation kehrt ein Stück Normalität zurück. Und ganz egal, wo in der Innenstadt oder in der Ludwigstraße man Gäste und Gastgeber fragt: Alle klingen ebenso hoffnungsfroh und erleichtert wie vorsichtig und verhalten.

Volle Biergärten in Gießen: Eintritt nur mit tagesaktuellem Schnelltest

Er sei »absolut frohen Mutes«, sagt etwa Torsten Ströher, der Inhaber des Apfelbaums. Mit gut 100 Leuten ist sein Biergarten pünktlich zum letzten Bundesliga-Spieltag am Samstag ausgebucht. Wer keinen tagesaktuellen negativen Test vorweisen kann, muss am Eingang zum Stäbchen greifen. Das ist allerdings die Ausnahme. »95 Prozent« kämen getestet, geimpft oder genesen, sagt Ströher, der den Apfelbaum nach dem gar nicht so soften »Soft Opening« über die Feiertage wieder schließt: »Alle machen gut mit.«

Und sie lassen sich die gute Laune von nichts und niemandem verderben. Patrick Wallbott, Marvin Görlach, Alexander Schell, Dennis Keßler und Johanna Streit sind dafür ein gutes Beispiel. Bevor sie um 14.30 Uhr zum Apfelbaum gekommen seien, hätten sie »nonstop« ihre Wetter-Apps gecheckt, erzählen die Freunde. Minuten später werden sich die schaurigen Prognosen doch noch erfüllen. Einzig Werder-Fan Lukas Teichert, der Sechste im Bunde, ist da schon zu Hause. Im Regen steht er vermutlich trotzdem.

Volle Biergärten in Gießen: Wetter als Wermutstropfen

»Ich bin froh, dass man überhaupt im Biergarten sitzen kann«, antwortet Thomas Stoll mit Blick auf das wechselhafte Wetter. Mehrere Dutzend andere Gäste in der »Zwibbel« empfinden offenbar genauso. Bei 25 Prozent Gesamtauslastung meldet Gastwirt Marian Radovcic einstweilen: ausgebucht. Das sei zwar »ein guter Anfang«, sagt der »Zwibbel«-Chef, während die Ordnungspolizei in der Ludwigstraße kontrolliert. Es müsse aber möglichst bald mehr werden. Personell und organisatorisch sei er vorbereitet.

Diese Mischung aus Freude über die Lockerungen und Rest-Ungewissheit, was die Zukunft bringt, formulieren auch Isa Bulut am Türmchen und Constantinos Bulut im Newscafé. Beide Gastronomen bestätigen, dass die Öffnung nicht nur für die Kundschaft, sondern gerade auch für das Personal dringend erforderlich sei. Beide sehen das Wetter als einzigen Wermutstropfen. Und beide freuen sich spürbar, wieder alle Hände voll zu tun zu haben. Ein Pfingstwochenende mit Menschen vor Restaurants und in Biergärten. Früher völlig normal. Und heute? »Es ist einfach ganz schön spannend«, sagt Isa Bulut.

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