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Kleine Geste, große Wirkung: Christina Kleinschmidt und Uschi Kreuter haben im doppelten Sinn ein Herz für Patienten.

Sie sind für Patienten da

Herzdamen im Evangelischen Krankenhaus: Ein Herz auf und unter dem Kittel

  • Christine Steines
    VonChristine Steines
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Schon vor der Pandemie wurden die Herzdamen im EV hoch geschätzt. Doch in der besucherlosen Zeit zeigte sich auf drastische Weise, wie sehr den Patienten die freundliche Zuwendung fehlte. Die Normalität ist noch lange nicht ins Krankenhaus zurückgekehrt, aber die Herzdamen sind es - zur Freude aller Beteiligten.

Gießen – Wenn Christina Kleinschmidt an die Tür klopft, weiß sie nie, was sie erwartet. »Es ist jedes Mal ein kleines Abenteuer«, sagt sie und lacht. Meistens freuen sich die Patienten, wenn eine freundliche Herzdame oder ein Herzbube (davon gibt es deutlich weniger) hereinschaut. Manchmal wird nur ein bisschen über dies und das geplaudert, manchmal bitten die Patienten um eine kleine Besorgung innerhalb des Hauses oder in der Cafeteria.

Und manchmal entwickelt sich mehr - dann vertrauen die Kranken den Herzdamen ihre Sorgen an, ihren familiären Kummer oder ihre Ängste hinsichtlich des Verlaufs ihrer Krankheit. Christina Kleinschmidt und ihre Kollegin Uschi Kreuter, die wir bei ihrem Rundgang durch die Stationen des Evangelischen Krankenhauses begleiten, nehmen es wie es kommt.

Herzdamen im Evangelischen Krankenhaus in Gießen: „Wir hören zu“

Damit ist schon eine wichtige Voraussetzung erklärt, die in diesem Ehrenamt unverzichtbar ist: Man muss offen sein für ganz unterschiedliche Menschen und Themen. Und man muss Menschen mögen, ihnen herzlich zugewandt sein. »Wir nehmen uns die Zeit, die nötig ist«, sagt Uschi Kreuter. Und ihre Kollegin ergänzt: »Wir hören zu und stellen uns auf unser Gegenüber ein«. Kein Zweifel: Die Frauen tragen nicht nur ein Herz auf dem weißen Kittel, sondern auch darunter.

Der Einsatz der Herzdamen beginnt dort, wo die zeitlichen Möglichkeiten der Pflegekräfte oftmals nicht ausreichen. Längere Gespräche am Krankenbett oder Besorgungen zwischendurch sind im eng getakteten Krankenhausalltag nicht leistbar. Der Besuchsdienst wird daher von den Mitarbeitern als willkommene Ergänzung betrachtet, zumal Ärzte und Pflegekräfte wissen, dass die mentale Verfassung bei der Genesung eine große Rolle spielt. Die Besuche der Herzdamen werden als wichtige Unterstützung betrachtet. Insbesondere in der Pandemie, als das Haus für Besucher komplett geschlossen war, wurden die Ehrenamtlichen schmerzlich vermisst.

»Wir erfahren hier von allen Seiten eine große Wertschätzung«, freut sich Kleinschmidt. Die ehemalige Schulleiterin ist nicht nur eine einfühlsame Herzdame, sondern sie ist auch Koordinatorin der Einsätze und führt neue Interessentinnen an ihre Aufgabe heran.

Die Besuche in den Patientenzimmern, beschreibt sie, seien auch eine Bereicherung, denn es sei ein gutes Gefühl, Menschen in einer schwierigen Situation eine Freude zu bereiten, sie abzulenken oder sie gar zu entlasten. Manchmal, gibt sie zu, gehe ihr das Schicksal der Patienten nahe.

Herzdamen im Evangelischen Krankenhaus in Gießen: Möglichst stabile Persönlichkeit

So sei sie einmal mit einer furchtbaren Fluchtgeschichte konfrontiert worden, die eine alte Frau ihr Leben lang mit sich herumgetragen habe. Beeindruckt habe sie auch der eiserne Wille eines Patienten, der die Amputation eines Beines erleiden musste und immer wieder bekräftigte, sein oberstes Ziel sei es, wieder auf den Golfplatz gehen zu können. »Empathie ist gut und notwendig, aber die Begegnungen dürfen nicht zur Belastung werden«, sagt Kleinschmidt. Daher sei es wichtig, dass die Herzdamen selbst über eine möglichst stabile Persönlichkeit verfügen.

Auch Uschi Kreuter sieht das so, und auch sie ist immer wieder beeindruckt davon, wie Menschen ihre Erkrankung und Schicksalsschläge annehmen. Zu sehen, dass Menschen auch in Ausnahmesituationen Kraft und Zuversicht entwickelten, sei eine Motivation für das eigene Leben. Diese Erfahrung sei sozusagen der Lohn für das Ehrenamt. »Wir geben nicht nur, sondern bekommen viel zurück«, sagt die frühere Krankenschwester und Arzthelferin.

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