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Andrew Neil Hayes kriecht für seine Performance »Animals beginning with P« als »Pig« (Schwein) durch den Wald. SCREENSHOT: GL

Ein Golden Toast für den Trash

  • Karola Schepp
    VonKarola Schepp
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Das erste digitale »Hungry Eyes Festival« endete am Sonntag mit einer Trashnight im Stil einer Oscar-Verleihung. Den Ehrenpreis vergab das Publikum im Livechat an Sarah Trad und ihren Kurzfilm »Celebrities You Didn’t Know Were Arab«. Doch das war eigentlich nebensächlich.

Aufgetakelte Hollywood-Filmstars, die sich bei der Oscar-Verleihung im Grunde selbst feiern, und angehende Theaterwissenschaftler, die ihr erstmals digital organisiertes »Blue Eyes Festival« mit einer kultigen »Trashnight« ausklingen lassen - am Sonntag kam zusammen, was wie zwei unterschiedliche Seiten einer Medaille erscheint.

Knapp 100 Teilnehmer des Livechats konnten miterleben und kommentieren, was im Stil einer Oscar-Verleihung, mit kurzen Einspielern aus dem Original-Oscar-Publikum garniert, ins Rennen um den »Golden Toast Hawaii« ging. Sieben Kurzfilme waren in der Kategorie Trash an den Start gegangen und dass am Ende der Elfminüter »Celebrities You Didn’t Know Were Arab« den Preis erhielt, war nicht wirklich wichtig. Viel mehr zählte der Spaß, der die Zuschauer vor dem heimischen PC am Monitor hielt.

Sarah Trads Sieger-Kurzfilm zeigt Prominente wie die Schauspielerinnen Salma Hayek und Zoe Saldana oder die Sängerinnen Shakira und Ariana Grande, die ihren ethnischen Wurzeln nach »schwarze Araberinnen« seien. Sie erweitern unsere Definition, wie »Araberinnen« aussehen.

Trashige Kurzfilme

Zuvor hatten sechs weitere trashige Kurzfilme ihren Kultstatus demonstriert. Der englische Filmemacher und Performer Andrew Neil Hayes war mit »Animals Beginning With P« vertreten. Hier imitiert er eine Viertelstunde lang als Anzugträger im Wald Panther, Pig (Schwein), Possum oder Praying Mantis (Gottesanbeterin). »Brain Shots/Was einem durch den Kopf schießt« heißt der Zweieinhalbminüter von Konzeptkünstler Karl-Heinz Mauermann, der mit Aufnahmen aus dem Familienalbum und »Found Footage« aus Archiven zeigt, dass Dummheit und Einsamkeit international sind. In Jack Wormwells »Crumbs #3« konnten die Zuschauer Hunde an einem Strand im Südwesten Englands beobachten, wobei Bild und Ton in keinerlei Verbindung standen. Vitalii Shupliak zeigte in »Fake« Spuren auf einem Smartphone-Glas. Maya Wallis erforschte bei »I’m not sure if this feeling of being able to dance will come about again« die Erregung im Körper beim Hören eines Liedes. Und der Pole Mariusz Soltysik war mit seinem ironischen Videoprojekt »Invaders« auf der Basis alter Sci-Fi-Serien dabei.

Mit der Trashnight und der Sonderkategorie Trash wurde im Rahmen des Festivals, das an der Schnittstelle zwischen Film, Performance und Installation den Blick als solchen ins Visier nahm, Unernsthaftes ernst genommen und Ernstes nicht allzu ernst genommen. Die oft als »Geschmacklosigkeit« und »Antikunst« angesehenen Filmchen bekamen so einen Platz als »Perlen des Kunstfilms« - und das dreitägige Festival einen würdigen Abschluss.

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