1. Gießener Allgemeine
  2. Gießen

Ein einzigartiges Profil

Erstellt:

Kommentare

Bild1MAMindBrainBehavior_4c
Der Studiengang »Mind, Brain and Behavior« schlägt eine Brücke zwischen künstlicher Intelligenz und menschlichem Verhalten. © Red

Gießen (bf). Seit Montag beleben wieder Tausende Studierende die Liegenschaften der Justus-Liebig-Universität. Unter ihnen ist auch eine Gruppe von Pionieren, die ein Studium absolvieren, welches sowohl an der JLU als auch deutschlandweit einmalig ist: Der Semesterbeginn markierte nämlich zugleich den Startschuss für den neuen Masterstudiengang »Mind, Brain and Behavior«.

Gut anderthalb Jahre Planung, Organisation und Akkreditierungsphase liegen hinter den Verantwortlichen der Abteilungen für Allgemeine Psychologie und Entwicklungspsychologie an der JLU. Aus den zahlreichen Bewerbungen, die bereits für den ersten Jahrgang eingegangen sind, wurden in einem zweistufigen Verfahren mit persönlichen Interviews diejenigen Kandidaten ausgewählt, die nicht nur aufgrund ihrer Studienleistungen und Sprachkenntnisse, sondern auch darüber hinaus bestmöglich ins Studienprofil passen.

Teilnehmer aus neun Nationen

Die Gruppengröße beträgt insgesamt maximal 30 Personen, um eine optimale Ausbildung gewährleisten zu können. Mit Studierenden aus bereits jetzt neun Nationen offenbart sich zudem der internationale Fokus des interdisziplinären Faches, das am ehesten den Neuro- und Verhaltenswissenschaften zugeordnet werden kann.

In ihrem ersten Semester werden die Studenten unter anderem lernen, wie Farben und Materialien visuell wahrgenommen werden. Welche Prozesse beispielsweise im Gehirn ablaufen, wenn wir ein Material wie Holz sehen, wie wir eine Sorte Holz von einer anderen Art oder von Plastik zuverlässig unterscheiden, oder welche Bewegungen wir ausführen, um verschiedene Materialien haptisch wahrzunehmen - das alles sind Fragen, mit denen sich die Wissenschaft erst seit vergleichsweise kurzer Zeit beschäftigt. Die theoretischen Grundlagen werden von renommierten Experten der JLU gelehrt, gleichzeitig ergänzen sogenannte Anwendungsmodule das Angebot.

Der Umgang mit wissenschaftlichen Geräten und der entsprechenden Software ist essenziell in einem Forschungsgebiet, in dem Verhaltensexperimente, aber auch komplexe Computermodelle und -simulationen zentral sind. »Viele Dinge, die wir den Studierenden beibringen, sind notwendigerweise eng verknüpft mit technischen Entwicklungen der letzten Jahre«, erklärt der Koordinator des Studiengangs, Dr. Filipp Schmidt. Weil auch die Künstliche Intelligenz (KI), die in vielen Bereichen nicht mehr wegzudenken ist, nach der menschlichen Wahrnehmung modelliert sei, bestehe ein großer Bedarf an Personen, die wüssten, wie das Gehirn funktioniere und die menschliches Verhalten ebenso verstünden wie die hinter der KI stehenden technischen Grundlagen. Der Studiengang »Mind, Brain and Behavior« schlage also eine Brücke zwischen den technischen Fortschritten unserer Zeit und menschlichem Verhalten und habe somit ein einzigartiges Profil in der deutschen Universitätslandschaft, betont Schmidt.

Gemäß seinem Zuschnitt ist das neue Fach dezidiert forschungsorientiert - und wird deswegen von der Deutschen Forschungsgemeinschaft DFG speziell gefördert. Der Forschungsschwerpunkt zielt jedoch nicht allein auf die universitäre Welt. Viele Firmen forschen selbst intensiv in diesem Bereich, und die bereits bestehenden Kontakte zu großen Playern der digitalen Wirtschaft sollen auch für die Masterstudenten nutzbar gemacht werden. So hofft man in Gießen, dass aus diesem und den nachfolgenden Jahrgängen zahlreiche Forschungskarrieren erwachsen - vielleicht nimmt eine der nächsten großen wissenschaftlichen Neuerungen tatsächlich hier ihren Anfang.

Auch interessant

Kommentare