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Studierende müssen wegen Corona derzeit Plätze in der Unibibliothek buchen.

Ein Campus, der derzeit keiner ist

  • Daniel Beise
    VonDaniel Beise
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Grau und wie leer gefegt offenbart sich die Rathenaustraße zwischen den beiden Philosophika im Schiffenberger Tal. Daran wird auch der Vorlesungsbeginn Mitte April an der Justus-Liebig-Universität nicht viel ändern. Corona-Pandemie. Online-Lehre. Mehr muss man dazu eigentlich nicht mehr sagen.

Der großzügige Ausbau der Rathenaustraße war aber nötig, wenn ich mich so an meine Studienzeit vor rund zehn Jahren erinnere. Egal zu welcher Zeit - Straße, Bushaltestellen, Wege zwischen den Campussen waren voll. Teilweise überfüllt.

Reges Treiben herrschte stets auch nur wenige Meter weiter vor und in der Unibibliothek (UB) am Phil I. Sie war weit mehr als ein Ort zum Lernen und Literatur ausleihen. Ein Platz für die Mittagspause, für die gesellige Fluppe, für neue Bekanntschaften. Man kann Studentinnen und Studenten nur wünschen, dass es schnell wieder normal wird. Heute ist es ein hageres Treiben vor der UB. Eine Asiatin telefoniert mit Lautsprecher. Auf einer anderen Bank isst ein Student ein belegtes Baguette. Wenige, kleine Grüppchen. Eine größere samt Hund unterhält sich an der Mauer vor dem Haupteingang zum Philosophikum, wo auch drei Arbeiter stehen. Ein Student radelt gemütlich mit Kopfhörern auf den Ohren vorbei. Das Zwitschern der Vögel hätte ich wahrscheinlich nicht so wahrgenommen, wäre der Campus voll.

Es ist kein besonderer Campus. Aber auch kein unansehnlicher. Wiesenflächen. Bäume. Freiraum. Wenn ich morgens und nachmittags Vorlesungen oder Seminare hatte, habe ich mich zur Pause meist lieber in die kleine, historische Bibliothek gegenüber der UB zurückgezogen. Mit Glück hatte ich manchmal einen Raum für mich. Wie oft bin ich da beim Lesen eingenickt?

Zur Leere trägt natürlich auch bei, dass Plätze im Moment reduziert sind und Studierende sie buchen müssen. Ein bisschen Kommen und Gehen ist immerhin auch während meines kurzen Besuchs. Ein paar Dutzend dürften drinnen büffeln. Rund 50 Fahrräder und einige Autos stehen auf den Parkplätzen.

Doch es ist kein echter Campus in dieser Zeit. Ihm fehlt das Wesentliche. Erst Studierende und Dozierende hauchen ihm Leben ein. (bei)

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