Eigentlich doch ganz anders

Eigentlich wollten wir es ja so machen ... eigentlich sollte es so sein. - Sätze, die ich in den letzten Wochen öfter gehört habe: an der Arbeit, bei meinen Kindern in Schule und Kita, bei uns zu Hause. In meinen Kalender trage ich Termine nur noch mit Bleistift ein, es lässt sich leichter wegradieren.

Wenn ich bei Google "Leben planen" eingebe, dann erscheinen verschiedenste Ratgeber, wie in sieben oder elf Schritten das eigene Leben geplant werden kann. Und doch merken wir in diesem Advent deutlich: Planungssicherheit gibt es nicht, gab es vermutlich nie. Heute wird es uns umso deutlicher: Die geschlossenen Geschäfte bringen meine Planung durcheinander, und der Friseurtermin kann auch nicht stattfinden. Ab heute läuft wieder alles etwas anders als geplant. Auch das Weihnachtsfest muss ich umplanen.

Zum Glück aber mache ich nicht Weihnachten, sondern Gott tut es. Wir feiern an Weihnachten, dass Gott in die Welt kommt und handelt. So heißt es in der Losung für den heutigen Tag (Psalm 77,15): Du bist der Gott, der Wunder tut, du hast deine Macht bewiesen unter den Völkern.

Wir müssen in dieser Adventszeit keine Wunder vollbringen, Gott tut es.

Vor 2000 Jahren kam er den Menschen ganz nah, Menschen wurden ergriffen und spürten seine Nähe. Nach dieser Nähe sehne ich mich dieses Jahr besonders. Die ist aber nicht planbar, Gott stellt sie her. Und während ich so darüber nachdenke, muss ich schmunzeln und frage mich: War Gottes Handeln vor 2000 Jahren genauso geplant wie es stattfand oder sollte es eigentlich ganz anders sein?

Pfarrerin Sonja Löytynoja, Luthergemeinde Gießen

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