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Zum zweiten Mal werden Abiturprüfungen unter Pandemiebedingungen stattfinden. ARCHIVFOTO: SCHEPP

Durchschnittsabitur vom Tisch

  • VonSebastian Schmidt
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Gießen (seg). Nachdem die Tagesschau am Montag berichtete, dass GEW-Chefin Marlis Tepe die Abiturprüfungen wegen der Corona-Pandemie gegebenenfalls ausfallen lassen will, hagelte es Kritik an der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft. Jetzt haben die Kultusminister am Donnerstag der Absage eine Absage erteilt und klargestellt, dass die Abiturprüfungen stattfinden werden.

In Gießen war man zuvor geteilter Meinung über eine mögliche Absage - auch unter den Abiturienten.

»Die Schüler sind gespalten«, sagt Stadtschulsprecher Stergios Svolos. Es gebe durchaus Schüler, die eine Absage nicht gut fänden, weil sie keine Durchschnittsnote wollen. Wenn die Abiturprüfungen nicht stattfinden, würde die Abiturnote als Durchschnitt der bisherigen Noten gebildet werden. Schülerinnen und Schüler könnten sich dann nicht mehr durch die Abiturprüfungen verbessern. »Und einige wollen jetzt noch einmal alles geben.«

Notabitur als Auszeichnung

Die andere Gruppe der Schülerschaft - die größere nach Svolos Empfinden - spricht sich für eine Absage der Prüfungen aus. »Die Abiturienten stehen unter enormem psychischem Druck durch die Pandemie«, sagt Svolos. Die Schülerinnen und Schüler können den meisten Hobbys nicht nachgehen, keinen Sport zum Ausgleich machen und keine Freundinnen und Freunde sehen. Dort obendrauf jetzt noch den Leistungsdruck durch die Abiturprüfungen zu packen, das hält Svolos für falsch.

Wenn der Hessische Kultusminister Alexander Lorz (CDU) die Schüler unterstützen wolle, dürfe es keine Abi-Prüfungen »um jeden Preis« geben. Svolos hat auch kein Verständnis für Lorz’ Argumentation, dass die Abiturienten nicht den Stempel eines Notabiturs bekommen dürfen. »Wenn, dann ist dieser Stempel ein Orden.«

Es sei völlig offensichtlich, dass während der Pandemie viel mehr geleistet werden müsse als sonst. Die Schülerinnen und Schüler haben sich eigenständig Stoff beigebracht, neue Lernmethoden entwickelt und sich erfolgreich auf den Online-Unterricht umgestellt, zählt Svolos auf.

Schulleiter befürworten die Prüfung. Frank Reuber von der Gesamtschule Gießen-Ost glaubt, dass die Schüler gut auf das Abitur vorbereitet sind und »möchte ihnen nicht das Gefühl nehmen, es geschafft zu haben.« Dirk Hölscher, der Leiter der Liebigschule, erinnert, dass die Situation vor einem Jahr ähnlich gewesen sei und die Prüfungen »problemlos« durchgeführt werden konnten. »Mein Eindruck ist auch, dass die Abiturientinnen und Abiturienten sich darauf eingestellt haben und das Abitur nun ›durchziehen‹ wollen«, sagte Reuber

Susanne Arends von der Gewerkschaft GEW Gießen sagt, dass ihre Kollegin von der Tagesschau falsch zitiert worden sei. Die Forderung beziehe sich nur auf einen möglichen »Plan B«, falls die Prüfungen wegen des Infektionsgeschehens doch abgesagt werden müssten. Das ist laut Arends im Moment aber nicht der Fall. »Die Schüler sind gut vorbereitet und bekommen das hin.«

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